Interview: Guido Nullens berichtet von seinem WM-Sieg in Finnland.

Die WM in Finnland ist gelaufen, die Teilnehmer haben ihre Sachen wieder hoffentlich heile zurück in ihre Heimatländer gebracht und die Vorbereitungen für die nächsten Fischen laufen schon wieder auf Hochtouren. Dennoch hatte der frisch gepackene Einzelweltmeister Guido Nullens aus Belgien Zeit, sich mit Jörg Iversen von der Firma Fishing Tackle Max über die WM zu unterhalten. Guido Nullens Eindrücke und Taktiken aus Finnland lest ihr in Jörgs Interview...

Jörg: Aus Finnland hörten wir von eurem Team ja zunächst nichts Gutes. Wie ist euer offizielles Training gelaufen und was für ein Gefühl hattet ihr dann für das Angeln?

Guido: Ganz ehrlich Jörg, wir waren absolut nicht zufrieden. Die ganze Woche hatten wir nie richtig Fische fangen können. Lediglich am letzten Trainingstag (Freitag) hatten wir Kleinfisch mit ca. 1500 Gramm. Mein Vertrauen in unsere Fähigkeiten wuchs jedoch von Tag zu Tag. Wenn wenig Fische beißen lernst du mehr für die Veranstaltungstage als wenn du jede Drift einen Fisch fängst. Und wir hatten viel gelernt...

Jörg: Das hört sich aber doch sehr optimistisch an! Was hast du dir vor dem Angeln ausgerechnet und wer waren deine persönlichen Favoriten?

Guido: Für mich ging kein Weg an den Franzosen vorbei! Wer ganz vorne landen wollte, musste besser sein als sie. Aber auch für uns sah ich gute Chancen unter die ersten drei zu kommen.

Jörg: Von der WM 1995 wusste man ja schon wie schwierig der Saimaa Kanal ist. Ständig ändert sich der Wasserstand und der Untergrund ist ebenfalls sehr uneben. Alles im allen also sehr kompliziertes Angeln. Worauf musste man deiner Meinung nach besonders achten um erfolgreich zu sein?

Guido: Wie immer spielte das Loten eine sehr wichtige Rolle. Hier musste man seine Hausaufgaben gemacht haben. Es galt, lukrative Löcher zwischen den Steinschüttungen zu finden. Hinzu kam ein natürlich gutes Futter. Da sind wir ja mit unserem Sponsor Mondial-F bestens ausgerüstet. Am ersten Tag habe ich mit 1.5 kg
Rotaugen Nullens und 6 kg Lehm gefüttert. Am zweiten Tag nahm ich dann 1 kg Rotaugen Nullens mit 4 kg Lehm und 10 zusätzlichen Ballen Lehm mit 600g Ver de vase (das sind Zuckmückenlarven).
Gefischt habe ich mit einer 0,6 Gramm Pose an dünnem Geschirr und kleinen Haken.
Anm. von fangplatz.de: Mehr über das Mondial-Futter von Guido Nullens findet ihr im Mondial-Online-Katalog bei Fishing Tackle Max (Seite 16).

Jörg: Kannst du mir die Futtertaktik von euch noch etwas genauer erklären?

Guido: Ja natürlich! Mein Futter war mit leichtem Lehm (terre de somme) gemischt und schwarz gefärbt. Außerdem hatte ich eine 50-50-prozentige Lehmmischung aus "terre de somme" und "terre de riviere".
5 Ballen meines Futters habe ich zu Beginn auf die Spitze meiner Kopfrute auf 13 Metern gefüttert. Außerdem habe ich 10 Ballen meiner Lehm-Mischung mit vers de vase links neben meine Rute auf 13 Meter geworfen. Mit der Pole-Cup habe ich nicht gearbeitet. Ich hatte mir auch keine großen Hoffnungen gemacht, dass man mit Nachfüttern die Fische anlocken kann. Daher setzte ich voll auf die Anfangsfütterung.

Jörg: Hattet ihr eure Taktik auf eine bestimmte Fischart zugeschnitten. Auf fangplatz.de hatte ich zum Beispiel gelesen, dass die Engländer gezielt versuchten, größere Fische mit geschnittenen Würmern zu locken.

Guido: Wir haben uns das Angeln so eingeteilt, dass wir in den ersten 1,5 Stunden versuchten, so schnell wie möglich kleine Fische auf 13 Metern mit der Kopfrute zu fangen. Dann haben wir auf 14,5 Metern einen zweiten Futterplatz mit Lehm und kleinen vers de vase angelegt. Dort hofften wir, ein paar größere Brassen zu fangen. Hierzu setzten wir eine 2 Gramm-Pose ein, um den Köder ruhiger präsentieren zu können.

Jörg: Es gibt immer wieder Diskussionen auf welcher Tiefe der Köder präsentiert werden soll. Hier trennen sich bei den Team-internen Diskussionen oft die Geister. Wie seid ihr vorgegangen?

Guido: Also ich kann nur von mir sprechen. Die erste Stunde habe ich etwas über dem Grund geangelt. Danach habe ich mein Vorfach ca. 10 cm aufliegen lassen. So wollte ich die etwas größeren Brassen von 200-300 Gramm überlisten.

Jörg: Welche Posen hast du eingesetzt und welche Schnurstärken waren eure erste Wahl?

Guido: Meine favorisierte Pose war die nr. 70 in 0.6, 0.8 und 1 gr von Mondial-F (s. Online-Katalog von Fishing Tackle Max, Seite 27). Sie setzte ich auf 13 Metern ein. Auf 14,5 Meter verwendete ich die nr. 82 in 2 gr von Mondial-F (s. Online-Katalog von Fishing Tackle Max, Seite 27). Beide Modelle haben eine lange Antenne, wodurch man auch sehr vorsichtige Bisse gut erkennen kann.
Meine Geschirre waren mit Sensas-Schnüren gebunden (Super Compétition). Die Hauptschnur war 0,105 mm stark, wobei die Vorfachschnüre einen Durchmesser von 0,065 mm hatten. Meine bevorzugte Haken hatte die Größen 20-22. Ich fischte mit einem 6er Gummi.

Jörg: In Finnland ist für euer belgisches Nationalteam ja fast alles sehr optimal gelaufen. Nach der feinen Fischerei steht nun die EM in Slowenien an. Das Gewässer ist ein ganz anderes als der finnische Kanal. Wie siehst du dort eure Chancen?

Guido: Die Vorbereitungen haben praktisch schon begonnen. Ich kenne das Gewässer schon lange und genau. Ich bin da sehr optimistisch. Und wer weiß, evtl. stehen wir mit der Mannschaft und ich im Einzel wieder auf dem Treppchen. Chancenlos sind wir jedenfalls nicht.

Jörg: Ich höre schon, auch dort rechnet ihr euch etwas aus. Ich wünsche dir und deiner Mannschaft auch bei der EM viel Erfolg und danke dir für die ausführlichen Antworten.

Wir danken der Firma Fishing Tackle Max für das Zustandekommen des Interviews.

Interview: Jörg Iversen.
Textliche Ausarbeitung: www.fangplatz.de