Die WM aus der Pole-Position betrachtet (Teil 2) – Das Angeln ist Nerven- und Informationsstress

Wer aber glaubt, dass die Angeltage dann gemütlicher vonstatten gehen, der hat sich richtig getäuscht. Denn nun beginnt schon in der Vorbereitung der Stress. Welche Angler sitzen auf welchem Platz? Wie wurde da generell gefangen und vor allem was wurde gefangen? Danach richtet sich jetzt die Futter- und die Köderzusammenstellung!

Auch das muss nebenher alles während des Trainings an Informationen gesammelt werden. Der Trainer-Rat entscheidet und stellt die Köder für jeden einzelnen Angler zusammen. Die Angler haben eine beratende Funktion, bekommen am Ende aber das, was ihnen der Trainerrat zugeteilt hat. Widerrede fast zwecklos! Entweder man zieht an einem Strang oder man passt nicht in das Team.

Schon diese Köder-Zusammenstellung beginnt mitten in der Nacht! Damit sind mehrere Begleiter voll ausgelastet, damit die Angler die optimalen Köder und Futtermischungen an den Angelplatz mitbekommen. Alles muss genau abgemessen werden, denn wer bei der Köderkontrolle zu viel an Bord hat, kann schon fast seine Sachen wieder zusammenpacken bevor er richtig angefangen hat zu angeln. Denn Köderverstöße führen nicht selten unweigerlich zur Disqualifikation. Übrigens: Zum Abmessen von Ködern und Futter sind nur offizielle Behälter erlaubt. Ohne die geht da nichts!

Kommen die Angler dann an ihren Angelplatz, finden sie ein recht überschaubares Planquadrat für sich vor. Nur darin dürfen sie sich während des Angeltages bewegen. Es darf ihnen dann auch nichts mehr in das Planquadrat gereicht werden. Schiedsrichter passen da auf wie Luchse.
Genauso sieht es auch mit den gehakten Fischen aus. Sie dürfen nicht unendlich weit gedrillt werden. Überschwimmt ein dicker Fisch die vom Land verlängerte Angelplatz-Grenze zum Nachbarn, war's das mit dem schönen dicken Fang. Er muss nach dem Einnetzen unverzüglich zurückgesetzt werden.
Auch das gilt es bei der Materialzusammenstellung zu beachten. Ganz findige Angler halten die Rutenspitze während des Drills tief ins Wasser. So kann der Schiri nicht sehen, in welche Richtung und wie weit die Schnur/das Gummi zeigt. Das hilft manchmal…

Hat man die Köderkontrolle und den Materialaufbau überstanden, beginnt das Angeln. Auch hier gibt es wieder feste Regeln.

Dicke Futterballen (wir sprechen von Pampelmusen-Größen) dürfen nur in den ersten 5 Minuten vor dem eigentlichen Angeln  eingeworfen werden. Ist diese Phase offiziell beendet (durch Signalschüsse) darf nur noch einhändig oder mit Pole-Cup gefüttert werden. Wer dagegen verstößt… Richtig: Verwarnung oder Disqualifikation!
Ihr merkt schon, den Schiedsrichtern kommt eine wichtige Rolle zu. Sie kontrollieren das komplette Angelverhalten eines Anglers. Daher sieht man vor dem Angelstart nicht selten kleine Geschenktüten vom Angler an den Schiedsrichter wandern. Sie sind mit den vielen kleinen Angelutensilien gefüllt, die wir alle so gerne in den Angelkiepen haben. Diese Tüten sollen die Aufmerksamkeit der Schiedrichter noch ein wenig – sagen wir mal – schärfen.

Dann beginnt das eigentliche Angeln…

Nach der Fütter-Phase beginnt das eigentliche Angeln. In den ersten 30 Minuten haben dann die Angler das erste mal etwas Ruhe. Sie werden aber genauestens beobachtet. Von den Schiedsrichtern, den Betreuern, den Zuschauern und natürlich von den Begleitern der anderen Teams. Egal welche Nation man jetzt nimmt. Alle sind mit Funkgeräten ausgestattet. Hinter jedem Angler sitzt eine Funkstation. Alle 15 Minuten gibt jeder seine beobachten Infos vom Nachbarn und vom eigenen Team-Mann an die »Team-Zentrale« weiter. Sie notiert, hält eine Beratung ab und schon kommt die Ausrichtung für jeden Angler für die nächsten 15 Minuten heraus. Auch hier ist dann alles minutiös geplant. Flott greift der Angler das neue Kit mit der neuen Montage und weiter geht es…
Im Stunden-Rhythmus tragen die Schiedsrichter der einzelnen Angler die gefangenen Fische auf extra dafür angebrachten Tafeln ein. So wissen Zuschauer und Betreuer immer recht gut, was gerade auf der Strecke läuft. Eine nicht ganz unwichtige Info.
Nach 3 Stunden ist das Angeln dann beendet. Für die Angler. Für die Betreuer geht es jetzt in die Verlängerung. Jetzt muss man beim Wiegekommando live zugegen sein. Was hat wer gefangen und vor allem wieviel? Wenn dann noch der eine oder andere Blick auf die verwendeten Köder, Futter und Utensilien geworfen werden kann, nimmt man die Info gerne mit. Aber man sollte sich auch hier nicht zu viel davon versprechen! Die Engländer sind Profis. Sie haben nichts herumliegen und wenn doch, dann ist es nicht so wichtig. ;-)

Die dritte "Halbzeit"

Für Fußballer wäre jetzt das Spiel für den Tag beendet und nur noch die Trainer werten ein wenig aus. Bei den Anglern sieht das alles ganz anders aus. Kaum sind die Sachen zusammengepackt, geht es wieder  zurück ins Hotel. Das Köder-Team widmet sich wieder den »Mädels«, wie es die »Mosella-Schlümpfe« so gerne nennen. Damit meinen sie die Maden, Pinkies und Caster. Während sie mit den Vorbereitungen und Einsammeln der restlichen Köder beschäftigt sind, trägt das Organisations-Team alle gesammelten Infos zusammen und versucht das auf eine Linie zu bringen, um die Taktik für Tag 2 genau zu definieren. Hier sind dann auch die erfahrenen Angler mit dabei. Ist das alles geklärt und auf einem Zettel zusammengetragen ist es schon Zeit für das Abendessen.  Der nächste Morgen wird sicher wieder für alle um 5 Uhr beginnen, so dass viele dann früh in der Kiste verschwinden.

Der 2. Tag ist eine Wiederholung von Tag 1

Am 2. Tag beginnt das Gewusel dann von vorne. Hat man die Köderzuteilung, die Vorbereitung, das Angeln, das Wiegen und die Informations-Beschaffung während des Angelns ausgewertet, fällt von allen ein ordentlich dicker Stein vom Herzen. Während dieser Tage merkt man, Angeln kann nicht nur Erholung sein, sondern ein echt sportlicher Stress!

Nicht dass das gesamte Team über Tage wie ein Uhrwerk funktionieren muss und dabei jede Menge Unwägbarkeiten logistischer, aber auch menschlicher Natur bewältigen muss. Man möchte auch noch ganz nebenbei erfolgreich angeln. Das gelingt beileibe nicht bei jedem Angeln. Aber wer die Organisationsstrukturen, die Informationsquellen und die guten und teamfähigen Angler zusammen hat, der kann zumindest hoffen, dass er bei einer WM unter die ersten 10 Mannschaften gelangt. Das ist wirklich eine enorm gute Leistung und wenn ein Team dann noch so harmonisch und mit viel Humor, aber auch mit dem nötigen Ehrgeiz über eine Woche zusammengearbeitet hat, dann kann jeder mit dem Gefühl nach Hause fahren, dass es fast wie Urlaub war, auch wenn man jetzt eine zusätzliche Woche Erholung gebrauchen könnte. Das kommt am Ende aber dann auch nicht in Frage, denn die Woche war nicht billig und man muss die getätigten Ausgaben jetzt wieder in die private Börse einspielen, auch wenn Sponsoren, wie in unserem Fall die Firma Mosella mit Angelgeräten, mit Ködern und mit allen Kräften versuchen die Jungs zu unterstützen.

In der WM-Woche haben die Mosella-Angler zusammen 700 Liter Futter und über 100 Liter Lebendköder verbraucht. Da darf man bei dem guten Ernährungszustand einiger Teammitglieder durchaus mal fragen, ob sie sich selbst daran bedienen. Unsere Kontrollen ergaben aber eine Fehlanzeige. Alles landete im Wasser. ;-)

Abschließend kann fangplatz.de nur sagen.

ES HAT SPASS GEMACHT, DABEI GEWESEN ZU SEIN!
Trotz des Stresses hat man zu jeder Phase gemerkt, dass da richtig nette Burschen am Werk sind. Vom Verkaufsleiter Holger Spottke bis zum Köder-Spezialist Reinhard Brose. Alle zusammen genommen sind in einem Team, das man nur sympathisch finden kann. Dass sie auch erfolgreich beim Angeln sind, haben sie uns schon mehrfach in der Vergangenheit gezeigt. Aber was wir persönlich mindestens genauso gut finden ist, dass diese Jungs uns von Jahr zu Jahr erklären, wie sie erfolgreich sind. Das deutsche Angeln verdankt ihnen nicht nur viele Innovationen, sondern noch viel mehr Tricks und Kniffe, die ihr monatlich in MatchAngler, Blinker, Fisch und Fang, Angelwoche und nicht zuletzt auf fangplatz.de nachlesen könnt.
Schon alleine dafür und für ein absolut tolles WM-Erlebnis sagt fangplatz.de ein dickes DANKESCHÖN! Bleibt wie ihr seid und von uns aus dürft ihr auch noch ein wenig mehr erfolgreicher werden. Wir sind sicher, ihr packt das!

Das fangplatz.de-Team