Mit der Bolorute in Aktion.

Oft ist die Angelei mit diesen langen in Italien entwickelten Rollenruten (bis 8 m) der Schlüssel zum Erfolg. Der Einzel-Anglertreff 2005 an der Saale zeigte das wieder, denn der Gewinner Ralf Herdlitschke fischte mit Bolognese-Rute an beiden Wertungstagen. Trotzdem wird diese Angeltechnik in unseren Gewässern nur sehr selten eingesetzt. Im Saarland hingegen gibt es einige Experten an den Rollen-Stangen. Mit einem, Harry Seifert, bin ich zusammen an die Saar gefahren, um euch zu zeigen, wieviel Spaß man mit dieser Angelei haben kann.

Das Gewässer: Die Saar bei Saarbrücken:
Das Treffen war schon lange vor meinem Besuch bei den Saarland-Cracks von Harry geplant. So kam es auch nicht von ungefähr, dass Harry perfektes Wetter, alle Köder, Futter und Zutaten organisiert hatte. Auch die Angelstrecke war schon ausgesucht. Wir fuhren zur Saar in der Nähe von Saarbrücken zum Teilstück "Am Gutenbrunnen" (kommt auch noch in die Gewässersammlung). Hier ist der Fluss ca. 55 m breit und ca. 6 m tief. Die Fließgeschwindigkeit ist moderat bis langsam, wobei der Untergrund sandig und sehr eben ist. Also ideale Bedingungen, um mit einer 7-Meter Bolorute zu angeln.

Der Angelplatz:
Viel zu oft wird der Vorbereitung des Sitzplatzes am Angelplatz zu wenig Beachtung geschenkt. Nur die wenigsten wissen, weshalb die Plattformen so lange Beine haben. Natürlich erfüllen sie damit auch einen gewissen Sitzkomfort, der bei unseren langen Ansitzen auch wichtig für unseren Rücken ist. Aber das ist nicht alles! Man kann mit ihr auch seine Sitzposition zum Wasser mühelos vertikal variieren. Beim Posenangeln auf längeren Distanzen ist es z.B. sehr wichtig, dass man möglichst hoch über der Wasseroberfläche sitzt. So lässt sich der Köder mit der Rute besser führen und ihr könnt den Schwimmer garantiert besser sehen. Es hat seinen Grund, weshalb die Experten bei internationalen Veranstaltungen im Extremfall über Stunden auf ihrer Kiepe stehen anstatt auf ihr Platz zu nehmen. Probiert es einfach aus und ihr werdet mir Recht geben. ;-)

Das Futter:
CM-Lockstoffe und exklusives Futter für die Zukunft.
Nachdem die Plattform stand, ging es an die Vorbereitung. Das hieß Futter anmischen. Dabei schlugen wir zwei Fliegen mit einer Klappe, denn wir testeten die neuen Futtermischungen von Claus Möller "Rotaugen spezial" und "Brassen spezial". Beide Mischungen bringt Claus 2006 auf den Markt und wir durften es jetzt schon genießen.
Wir stellten uns eine Mischung von jeweils 50% zusammen, verfeinerten es noch mit Caramell spezial von den CM Lockstoffen und ließen es dann ziehen. Da es sehr viel Wasser aufnehmen kann, muss es auf jeden Fall mehrfach angefeuchtet werden. Vor allem das "Brassen spezial" kann bei richtigem Anfeuchten ein richtiger Kleister werden, der sich dann im Wasser aber sagenhaft gut auflöst. Mein erster Eindruck: Fantastisch! Ich habe mir gleich 10 kg mit genommen, um es im Norden zu testen. ;-)

Der fleischige Futterzusatz. Abgetötete Maden.
Harry erklärte mir, dass tote Maden für die heutige Session einfach besser wären, denn sie würden die gekneteten Futterballen nicht so schnell lockern. Und wir brauchten sehr viele Ballen!
Um sie schnell und effektiv abzutöten gibt es einige Möglichkeiten. Wie ihr die Maden am schnellsten abtötet und sie dann am besten für das Futter vorbereitet lest ihr in diesem fangplatz-Artikel.

Wenn das Futter noch mal nachgefeuchtet ist und mit einem Accuschrauber mit Rühraufsatz gelockert wurde (man kann auch ein Sieb nehmen), werden die toten Maden und ein paar Hände voll Caster (die Herstellung lest ihr in diesem fangplatz-Artikel) per Hand untergerührt. Damit ist die Futtermischung fertig.

Die Montagen.
Oben hatte ich euch ja schon ganz selbstverständlich untergejubelt, dass diese Strecke optimal für das Bolo-Angeln ist. Aber wie sieht eigentlich eine optimale Bolo-Strecke aus? Harry erklärt es mir: "Zunächst ist schon mal wichtig, dass du einen möglichst ebenen Untergrund hast, auf dem der Köder gut entlang treiben kann Außerdem sollte die Strömung nicht zu stark sein und wenig Verwirbelungen haben. Die Wassertiefe darf auch nicht größer als die Rutenlänge sein. Wenn du solche Bedingungen vorfindest und deine Nachbarn alle auf die Kopfrute mit max. 13 Metern Länge setzen, kannst du mit der Bolo-Rute die scheuen Bonus-Fische fangen, die oft weiter draußen stehen."
So, so... Aber wie sieht jetzt die Montage dazu aus?
Harry und ich fischen heute vor allem zwei Montagen, die Wolf-Rüdiger Kremkus, Weltmeister aus den Jahren 1980 und 1982, entwickelt hatte. Heute sind es Klassiker und es ist beinahe schon fahrlässig sie nicht zu kennen. Dazu kam früher ein weiteres Kult-Objekt hinzu: Die weltberühmte Pokal-Pose von Wolf-Rüdiger. Viele Sagen und Geschichten ranken sich darum. Fragt einfach mal die etwas reiferen Friedfisch-Experten und ein Angelabend ist gerettet. ;-)
Wir werden heute Posen, die die Form eines umgekehrten Tropfen haben, verwenden. Sie haben außerdem eine dicke und weit sichtbare Antenne. So sieht auch die Bolo-Klassiker-Posenform aus. Die Tragkräfte sind 8 und 10 Gramm. Beim Bolo-Angeln kommen nur feste Posenmontagen zum Einsatz. Da rutscht oder verschiebt sich eigentlich nur wenig.
Die 1. Montage besteht aus einer Bleikette von 20-25 BB-Bleien, die auf einer 0,14er Tubertini Marine blue geklemmt sind. Sie müssen sauber, wie eine Perlenkette aneinander aufgereiht werden. Dabei sollen sie sich noch ganz locker bewegen können wenn sich die Angelschnur biegt. Die Tiefe wird so ausgelotet, dass die letzten 5-8 Bleischrote über den Untergrund schleifen. Das 0,11er Vorfach mit einem 14er Haken (Tubertini Serie 2) wird von der Bebleiung im Wasser ganz langsam hinter her gezogen. Die Pose steht dabei leicht schräg im Wasser (s. Abbildung, unten links).
Die 2. Montage ist mit 10 Gramm etwas schwerer. Hier wählen wir eine andere Bebleiung: Eine Bleiolivette mit Bleischroten bildet einen ersten Bleipulk. 40 cm tiefer fixieren wir 2 No5 Bleie, wonach sich ein 60 cm langes Vorfach mit 14er Haken anschließt (s. Abbildung unten rechts). Diese Montage wird so ausgelotet, dass der letzte Meter auf dem Gewässergrund aufliegt. Auch hier ist wieder ganz wichtig, dass die Strömung die Montage gaaaaanz langsam mit sich zieht!

Kurze Regelanmerkung: Beide Montagen liegen außerhalb der maximal erlaubten Chip-Regeln (10% der Posen-Tragkraft darf am Grund aufliegen). Die Experten wählen immer eine Pose mit einer angepassten Tragkraft, so dass die erlaubten 10% der aufgelegten Bleie die Montage langsam treiben lässt. So kann es schon mal vorkommen, dass oben ein Proppen von 20 Gr. treibt, weil 2 Gr. aufgelegt werden müssen um einen ruhigen Trieb zu erhalten. ;-) Ich angelte mit meiner Shimano-Beastmaster TE5 Rute (7 m Länge). Ich fische dieses Rutenmodell für diese Fischerei sehr gerne. Sie ist elegant dünn, hat ein ordentliches Rückgrat und dabei eine phantastische Spitzen-Aktion. Eine Vorstellung der Rute lest ihr in diesem fangplatz-Artikel. Harry testete die Browning Aggressor Eden Evolution 700. Den Test findet ihr übrigens in einem folgenden fangplatz-Artikel.

Das Anfüttern.
Nachdem jetzt alles sauber vorbereitet wurde, ging es an das Kneten der Futterballen. Das vorhandene Futter soll zu Beginn zu 80% auf den in etwa 30 Meter entfernten Futterplatz katapultiert werden. Hierzu ist eine gewisse körperliche Konstitution gefragt. Zuerst müssen die Ballen, die alle etwas Apfelsinen-Größe haben sollen, so geknetet werden, dass sie während des Wurfes nicht zerfallen. Das hört sich zunächst einfach an, aber nach der 20ten Kugel merkt man seine Unterarme... ;-)
Und dann kommt mein Lieblingspart! Die Bälle müssen per Hand 30 Meter weit und möglichst punktgenau geworfen werden. Mir als altem Jugendhandballer fällt dieses nicht sonderlich schwer. Ungeübte Werfer sollten das zunächst mal auf der Wiese mit ein paar Tennisbällen trainieren.
Um die Bälle möglichst genau zu werfen, stellt man sich am besten hinter seine Angelkiepe, sucht sich einen festen Orientierungspunkt auf der anderen Uferseite aus und stellt seine gekneteten Futterballen in Reichweite. Dann kann es los gehen. Nehmt einfach einen Futterball nach dem anderen und werft ihn auf das 30 Meter entfernte Ziel.

Das Angeln.
Nachdem die gut 30 Bälle versenkt wurden ging es an die Angelei. Wir verwendeten einen Wurm-Maden-Cocktail. Das Werfen mit der Bolo-Rute muss etwas geübt werden. Die Stangen sind extrem stabil und zeigen im Wurf eine wahnsinnige Aktion. Während des Auswerfens vollzieht die Montage mit der Pose eine Luftschleife direkt vor eurer Nase. Die muss man beim Werfen immer etwas einkalkulieren, um wirklich das Ziel - die Futterstelle - zu treffen. Nach 5-10 Versuchen hat man es als geübter Angler aber drin.
Liegt der Köder etwas flussaufwärts von der Futterstelle, geht es an die nächste Kunst des Bolo-Fischens. Der Köder muss möglichst gerade mit der Strömung über die Futterspur geführt werden. Und genau jetzt kommt der Grund der verwendeten langen Ruten zum Tragen. Wir halten sie nämlich während der gesamten Angelzeit nach oben (ca. 60-70 Grad) zur Wasseroberfläche. Damit sorgen wir, dass möglichst wenig Schnur auf dem Wasser liegt und der Druck der Strömung mit unserer Montage mehr spielt als uns Recht ist. Lediglich die letzten 1-4 Meter vor der Pose lassen wir auf dem Wasser aufliegen. Hier bildet sich dann sofort ein kleiner Schnurbogen in den die Strömung drückt. Je nachdem wie wir jetzt die Pose schneller oder langsamer treiben lassen möchten verändern wir die Schnurbogengröße vor der Pose durch Senken oder Heben der Bolo-Rute. Soll z.B. die Pose etwas mehr Fahrt aufnehmen oder das am Grund liegende Blei ist etwas verklemmt, vergrößern wir den Bogen. Der Schnurbogen wird also wie ein Segel für die Pose eingesetzt. Haben wir alles richtig gemacht, schlürt das Blei über den Grund und die Pose steht oben leicht schräg im Wasser. Kommt es jetzt zu einem Brassenbiss, wackelt die Pose beträchtig oder schießt richtig aus dem Wasser. Wer das einmal erlebt hat, wird diese Angelmethode lieben lernen. :-)

Da alles von Harry perfekt vorbereitet war, hatten wir natürlich Brassenbisse erlebt. Ehrlich, die erste Stunde war ich skeptisch, denn wir fingen nur Rotaugen. Dann ging aber die Post ab. Nahezu jede Drift ließ die Posen aus dem Wasser schießen. Es war die helle Freude! Es folgten phantastische Brassendrills an 7-Meter Bolo-Stangen. Hier werden dann die Ruten schräg nach unten über die Wasseroberfläche gehalten. Erst zum Ende des Drills, um den Fisch über den Unterfangkescher zu führen, wird die Rute wieder senkrecht nach oben geführt. Man sah Harry richtig an, welche Freude ihm diese Angelei machte. Sein Grinsen wurde von Fisch zu Fisch größer. Direkt hinter uns war ein Rad- und Wanderweg und immer mehr Zuschauer versammelten sich hinter uns. "Mensch gibt es hier viele Fische!" war der einhellige Tenor. "Tja, hier angeln eben nicht viele mit der Bolo-Rute." Das bemerkte auch unser Angelnachbar, der den ganzen Nachmittag lediglich ein paar kleine Barsche ergatterte. Jetzt ist er begeisterter fangplatz-Leser und hat zudem eine neue Bolo-Rute. ;-)

Probiert es doch mal selbst an eurem Fließgewässer aus und ihr werdet sehen. Brassen mögen diese Angelei. Nicht umsonst fischen Deutschlands beste Friedfischangler mit dieser Methode und gewinnen damit nationale und internationale Top-Events.
Wir wünschen euch viel Spaß beim Ausprobieren!

Euer Harry und Schummi


Kurzes zu Harald "Harry" Seifert.
Harry ist ein Stipper mit Leib und Seele und dabei auch sehr erfolgreich. Im Saarland kann man immer mit ihm rechnen und beim Colmic Cup liegt er auch immer ganz vorne mit dabei. Hier ein paar seiner Erfolge:

2003: 3. beim Colmic-Cup mit der Mannschaft
2004: 2. beim Deutschen Anglertreff mit der Mannschaft
2005: 2. beim Colmic-Cup mit der Mannschaft
2005: Teilnahme am Anglertreff für Einzelangler an der Saale

Hinzu kommen einige Gewinne bei Bezirks- und Landesfischen.