Shimano: Fliegenfisch-Exkursion zur Wupper (Wuppertal)

Zehnkämpfer sind die Könige der Leichtathletik. Genauso sehe ich es beim Angeln. Für mich kennt sich ein "perfekter Angler" nicht nur in seiner Lieblingsdisziplin aus, sondern wagt auch den Blick in andere Angeltechniken. Und wenn er diese dann zusätzlich beherrscht, verbeuge ich mich gaaanz tief vor ihm. Daher war es für mich eine Selbverständlichkeit, die Einladung meines Sponsors Shimano zum Fliegenfischen anzunehmen. Es wurde ein wunderschöner Angeltrip an die Wupper im bergischen Land...

 Von Zeit zur Zeit veranstaltet Shimano für die Fachpresse kleine interessante Exkursionen. Fast legendär war die Kuttertour auf der Ostsee mit allen relevanten deutschen Redakteuren der deutschen Angelpresse.
Auf dieser Reise ging es allerdings in die Forellen- und Äschenregionen der Wupper. Shimano wollte seine brandneue BioCraft Serie präsentieren. Dabei handelt es sich um eine feine Ausstattung für den Fliegenfischer, die zudem für ein überschaubares Budget erhältlich ist. Damit sich die eingeladenen Redakteure auch in der Praxis von der BioCraft-Qualität überzeugen konnten, ging es am darauf folgenden Tag in die Wupper. Ich war wieder der bunte Vogel in der Runde, habe ich doch von den Fliegengerten ein recht überschaubares Wissen. Natürlich hatte ich als allgemein interessierter Angler schon damit gefischt, aber das lag schon wieder Jahre zurück. Der Trip war daher die beste Gelegenheit für mich, sich auf die sehr reizvolle und intensive Angeltechnik zurück zu besinnen.

Der Abend davor
Bevor es aber ans Wasser ging, schlugen wir die Theorie-Runde ein. Was ist die BioCraft-Serie, was beinhaltet sie und was sind deren Vorzüge?
Petra Krichel und Frank Beißel ließen keinen Aspekt unbeleuchtet und sollte etwas vergessen worden sein, hakten die Fachredakteure nach. Sei es Wathose, Fliegenweste, Taschen, Rollen, Schnüre oder Ruten. Bei diesem Shimano-Konzept greift ein Rädchen in das andere. Es werden keine Einzelprodukte erstellt, das gemeinsame Konzept ist der Schwerpunkt und so findet man z.B. in der BioCraft-Tasche genau die passenen Rollentäschchen für die BioCraft Rollen.

 

Nach so viel Theorie waren wir hungrig und neugierig zugleich. Also fuhren wir direkt nach Wuppertal, wo sich die Wupper durchschlängelt. Natürlich machten wir auch eine Ehrenrunde mit der legendären Schwebebahn. Ich kann euch sagen, als Angler steigt man aus dieser Bahn nur ungerne wieder aus. In vielen Abschnitten ist sie direkt über die Wupper gebaut und man kann aus den Wagons die Standplätze der Fische aus luftiger Höhe genau erspähen. Und Fische gibt es in diesem Flüsschen mehr als genug! Wir waren alle extrem beeindruckt, was wir in dem klaren (!!!) Wasser in der Innenstadt alles zu Gesicht bekamen. Ich sage nur Barben!!! :-)
Abends saßen wir dann gemeinsam beim Essen und fachsimpelten. Viele kennen sich und so tauscht man seine Erlebnisse der letzten Monate aus. Der eine vom Fliegenfischen, der andere vom Big Game Fischen und ich plauderte über das "wunderschöne Stippen". Wir sind ja alle kleine Quatschköpfe (sonst gäbe es ja auch keine Geschichten für euch) und so wurde es natürlich sehr spät und das Servicepersonal musste Überstunden machen. ;-)

Über die Wupper!
Nach dem Frühstück ging es an die Wupper. Ich selbst verband zu diesem Zeitpunkt mit der Wupper ausschließlich negative Assoziationen: Wenn etwas unreparierbar ist, ist es "über die Wupper gegangen". Außerdem hatte ich den Fluß als Industriebrache in Erinnerung, die trübe und belastet mit wenig Leben durch die Landschaft fließt. Umso überraschter war ich über den Anblick bei meinem ersten Kontakt mit dem Wasser!
Vor meinen Füßen lag ein kristallklarer Fluss, der sich durch das bergische Land schlängelt. Sogar eine eigene "Loreley" konnte man hier finden! Ich erinnerte mich spontan an die Filmszenen von Robert Redfords Kino-Klassiker "Und in der Mitte entspringt ein Fluß" - traumhaft!
Es dauerte auch nicht lange, da sah ich die ersten Forellen auf der anderen Seite unter den Bäumen steigen. Volker Bundszus, ein hervorragender Werfer mit der

Fliegenrute, führte mich auch gleich zu einem "Sahneplätzchen". Für mich gab es kein Halten! Ich schickte Volker schon mal weiter und war schneller im Wasser als die anderen schauen konnten. Da stand ich nun in meiner Biocraft-Wathose im Wasser. Wie war das doch noch gleich mit dem Werfen? Es war immerhin schon 10 Jahre her, dass ich das letzte mal mit der Fliege gefischt hatte. Bei den ersten Schwüngen knallte es hinter mir beängstigend und vorne fiel die Fliege etwas lahm in die Fluten, als wenn sie gerade eine kräftige Priese Paral inhaliert hätte. Der Bewegungsablauf war einfach noch zu schnell und zu unkoordiniert. Langsam kam aber die Ruhe wieder rein und die Fliege flog im Laufe des Tages immer präziser und gleichmäßiger, wobei ich noch sehr viel zu Üben habe. Wieder schossen mir die Filmszenen des Kino-Streifens durch den Kopf. Die Art, wie das Fliegenfischen als Philosophie und als Spiegelbild für die Weiterentwicklung eines Menschen dargestellt wurde, konnte ich jetzt wieder am eigenen Leib nachempfinden. Es ist wirklich ein wenig eine mystische Sache, wie

jeder Angler etwas anders mit seiner Gerte umgeht und so den Köder den Fischen präsentiert - einfach phantastisch! Wer diese Angeltechnik - man kann auch sagen diese Kunst - als Angler noch nicht ausprobiert hat, entgeht etwas und er hat meines Erachtens die Tiefe des Angelns bisher noch nicht andeutungsweise erfahren. Bei keiner anderen Angelart verbindet man sich so intensiv mit Natur, dem Köder und am Ende auch mit den Fischen.
Die allgemein geläufigen Vorurteile gegenüber des Fliegenfischens sind längst überholt. Ebenso wie beim Stippangeln hat sich eine junge, etwas flippige Szene gebildet, die das Fliegenfischen, sagen wir, etwas verjüngt hat. Natürlich wird es von den konservativen Strömungen etwas skeptisch beäugt aber eine Weiterentwicklung vom grünen Jagdgefabel hin zu einer jungen aktiven Bewegung tut dem Angelsport mehr als gut! Fußball ist ja auch kein Sport mehr für die Arbeiter, der in Kniebundhose und Torwart-Schlappmütze gespielt wird.

Zurück zu meinen Fliegenfisch-Erfahrungen: Jetzt stehe ich schon eine halbe Stunde im kühlen Wasser. Meine Zweifel, dass eine fünfteilige (!!!) Rute überhaupt eine Aktion entwickeln könnte, sind längst verflogen. Mein Modell Biocraft XT STC 869657 ist speziell für die Reise entwickelt worden (daher 5 kurze Teile, die in jeden Koffer passen) und arbeitet mehr als optimal. Dazu hatte ich eine Biocraft XT Fliegenrolle der Klasse 5/6 mit einer ganz neuen Shimano-Fliegenschnur (Biocraft AX Klasse 6 – die ab Herbst im Fachhandel verfügbar sein wird). Im geschlossenen Raum musste ich erst etwas über die "Schlüpferfarbe" schmunzeln, sind Fliegenschnüre sonst doch dunkelblau oder gelb. In der Praxis erkannte ich doch schnell, dass diese Farbe in der Natur sehr gut sichtbar aber zugleich nicht so aufdringlich wie die herkömmlichen Standardfarben ist. Ein blau oder gelb lasse ich jetzt liebend gerne für diese Farbe

liegen. Meinen ersten Biss konnte ich damit übrigens auch perfekt verfolgen. Als meine Bachflohimitation dahin trieb, schoss plötzlich das Ende meiner Fliegenschnur in die Tiefe. Ich schlug an. Im selben Moment bog sich meine Rute und eine schöne Bachforelle schoss senkrecht in die Luft. Mein Pulsschlag erhöhte sich natürlich sofort um 100 Schläge pro Minute. Wow, was für eine Power! Jetzt musste ich ja das Drillen anders organisieren, als es mit Stationärrollen der Fall ist. Nervös friemelte ich an Rolle, Schnur und Rute herum, mit dem Resultat, dass sich die Forelle bedankte und sich aushakte. Beim Fliegenfischen gibt es einen Ehrenkodex "nie mit Widerhaken". Daran hatte ich mich natürlich auch gehalten und die Forelle nutzte ihre Chance. Hier können die Stipper übrigens noch etwas von den Fliegenfischern lernen. ;-)
So, jetzt war ich erst mal fertig mit den Nerven. Ich watete ans Ufer und genoss die Natur und die Wurfkünste von Siggi. "Siggi" Siegbert Stümke ist Chefredakteur von "Fisch und Fliege" und arbeitet zudem sehr viel an den Artikeln der Zeitschrift "Rute und Rolle". Er ist ebenfalls ein Meister des Fliegenfischens und es ist schon ein Augenschmaus, ihm beim Werfen zuzuschauen. Da, plötzlich knallt auch seine Schnur weg! Blitzschnell reagiert er und landet wenig später eine wunderschöne Bachforelle. Mit diesem Fisch machten wir erst mal Mittagszeit. Wir versammelten uns an einem umgefallenen Baum, der am Flußufer lag.

Shimanos Petra Krichel hatte alles vortrefflich organisiert, so dass jeder kugelrund zur nächsten Angel-Etappe aufbrechen konnte. Die Sonne stand nun für die Forellen genau richtig, denn jetzt ging es Schlag auf Schlag und die Forellen wurden von Fang zu Fang schöner. Für mich steht fest, die Wupper ist wieder ein absoluter Kristallstein im bergischen Land. Ich habe viel Forellen- und Barbenbrut beobachtet. Außerdem gibt es Äschen, Meerforellen und seit 1995 werden auch regelmäßig Lachse (Lachsprogramm 2000) ausgesetzt. Das Flüsschen liegt in einer traumhaften Landschaft und ist vom Kölner Raum sowie vom Ruhrgebiet erstklassig zu erreichen. Wer einmal selbst einen schönen Fliegenfischertag an der Wupper verleben möchte, bekommt Tageskarten beim bewirtschaftenden Verein: Bergischer Fliegenfischerclub, Landsberger Str. 41, 45219 Essen, Tel. 0175-7810749 (Dirk Pollman, 2. Vors.).
Allerdings hat auch hier der Kormoran einen ordentlichen fischereilichen Schaden angerichtet. Die Äschen sind ganz gewaltig zurück gegangen und auch die Forellenbestände leiden. Teilweise fängt man Fische mit den typischen Schnabelverletzungen der schwarzen gefiederten Räuber. Hier muss unbedingt gehandelt werden! Es kann doch nicht sein, dass seltene heimische Fischarten, wie die Äsche, immer mehr dezimiert werden, nur weil sie unter dem Wasser von den Menschen nicht wahr genommen werden. Ähnlich ergeht es den Lachsen, die

für teures Geld wieder angesiedelt werden. Kormorane hingegen werden bis über das erträgliche Maß geschützt, da hier die Erfolge der Naturschutzvereine für die Spendenzahler (=potenzielle Arbeitgeber) besser sichtbar sind als für alle Tiere, die unter der Wasseroberfläche leben. Der fangplatz-Partner, die Zeitschrift Blinker, hat das Kormoran-Problem längst erkannt und hat eine große Unterschriften-Sammelung für ganz Deutschland organisiert. Über 25.000 Menschen haben sich schon eingetragen. Sorgt dafür, dass es 200.000 werden und holt euch den Unterschriftenbogen! Legt ihn in euren vereinsheimen, bei euren Hegefischen und überall dort, wo Angler zusammen kommen aus. Wenn die Bögen voll sind, sendet sie zurück an den Blinker!

Es kann etwas getan werden, macht mit!!!!

Schöne Bilder zu diesem Artikel findet ihr in unserer fangplatz-Galerie


Euer schummi