Angelmesse "Angeln total" in Duisburg verspricht nicht zu viel

Im Januar lockt die Messe "Angeln total" die Angler nach Duisburg. "Angeln total" verspricht vom Titel schon unheimlich viel. Nun sind gerade die Begriffe "total", "mega", "super" und dergleichen Superlative im Angeln immer sehr schnell gezogen, so dass erst der Besuch zeigt, was sich hinter dem Titel tatsächlich verbirgt. Bei dieser Messe kommt jedoch alles zusammen. Unglaublich viele Besucher, tolle Aussteller und ein lupenreines Angel-Unterhaltungsprogramm über mehrere Tage hinweg.

fangplatz.de hat sich dieses Jahr etwas genauer umgeschaut, mit dem Initiator der Messe, Norbert Zajac, geplaudert und neben den vielen Verkaufsständen das eine oder andere kleine Goodie für euch zusammengesammelt.

Also dann viel Spaß bei unserem Messerundgang...

 

Großer Zuschauerandrang bei der Anfahrt

Zwar ist es für uns von Bielefeld nach Duisburg keine Weltreise, aber die Vorankündigungen des Schneesturm-Tiefs "Daisy" der Vortage ließen mich ein wenig zweifeln, dass wir tatsächlich nach Duisburg gelangen würden. Das stellte sich dann aber eher als Kinderspiel heraus. Keine Schneeverwehungen, keine liegen gebliebenen LKWs auf der A2 und von Straßenglätte konnte man im Ruhrgebiet und von den Autobahnen dort hin ebenfalls nicht wirklich reden.

Etwas Gutes hatte aber die Panikmache im Vorfeld: Die Autobahn war auf der Hinfahrt für uns exklusiv vorbehalten. Das erlebt man auf der A2 als wichtigste Ost-West-Trasse in Europa auch nicht häufig.

Duisburg war also in einer normalen Fahrzeit erreicht und wir schlossen uns dem Besucherstrom Richtung Messehalle, die auf einem ehemaligen Zechengelände liegt, an.

6.000qm Angelerlebnis pur

Bei dem Begriff Messe haben gerade Angler individuelle Erwartungen. Nicht selten wird auf die Preise geschaut und es werden geradezu exorbitante Messerabatte fast schon vorausgesetzt. Hier wird von Messeveranstaltern und Ausstellern einfach etwas Falsches verlangt. Macht man eine Messe nur mit Verkaufsaktionen, dann wird das Niveau der Veranstaltung schnell ins Bodenlose fallen. Dann heißt es am Ende nur noch: "Das war eine Ramschveranstaltung..."

Wofür zahlt der Besucher also seinen Eintritt in Duisburg? Nirgends fällt einem da die Antwort so leicht wie für die Messe in Duisburg. Denn man zahlt für ein vielfältiges Rahmenprogramm.

Die Messe präsentiert sich als Messe für Angler und Fliegenfischer (sind Fliegenfischer eigentlich keine Angler?).

Ich möchte es aber noch ein wenig mehr konkretisieren: Alle Angler, die sich für das Fliegenfischen, das Raubfischangeln und für das Forellenangeln (mit Tremarella oder den klassischen deutschen Angeltechniken) interessieren, kommen absolut auf ihre Kosten - sei es beim Einkauf oder bei den laufend stattfindenden Vorträgen und Stand-Präsentationen. Es ist wirklich so, dass in der Halle laufend Programm ist und es keinem langweilig werden muss, wenn er sich denn für das Angeln interessiert und sich im Vorfeld genau informiert.

 

Bekannte Angler wie am Fließband

Wem das noch nicht reicht, für den stehen viele bekannte Angler aus den Angelmagazinen (die sind natürlich mit von der Partie), Frage und Antwort. So konnte man beim Exori-Stand Michael Kahlstadt mal richtig zum Thema Forellenangeln auf den Zahn fühlen. Hier wurde einem die deutsche und etwas klassische Angelart erklärt, wie man die Forellen in unseren Forellenseen überlistet.
Gleich nebenan war ein riesiges Wasserbecken mit Schaufenstern aufgestellt. Auf einer "Hupwagen-Bühne" erklärten Raubfischgrößen (Uli Beyer, Bertus Rozemeijer), wie man die neuen und alten Kunstköder richtig führt. Der Zuhörer sieht zu den Erklärungen gleich im Becken, wie sich der Köder unter Wasser bewegen soll.

 

Ging man weiter gegen den Uhrzeigersinn, dann traf man das TFT Team rund um Lars Lindemann. fangplatz.de-Leser wissen, dass es sich hier um das Tremarella-Fischen "Made in Italy" dreht. Das Team um die vielen aktiven Forellenangler erklärten den Interessenten jede noch so kniffelige Frage und das machten sie so anschaulich, wie es besser nicht mehr geht.

Hatte man diesen Stand passiert, gelangte man in einen großen Verpflegungsbereich, der reichlich Sitzgelegenheiten bot. Vor den Biergarten-Garnituren war dann wieder eine Bühne aufgestellt. Hier ist die Heimat von AuWa Thiemann und Sven Sonnenwald. Fernsehzuschauer der auf DMAX erscheinenden Angelsendung Fish'n'Fun werden die beiden Kerle kennen, die das Angeln in einer so unterhaltsamen Art und Weise weiter vermitteln wie kein anderer Deutscher. AuWa als Angelspezi und Sven als Spitzenkoch. Den Begriff Spitzenkoch kann man in diesem Zusammenhang wirklich in den Mund nehmen, denn das was Sven aus den heimischen Süßwasserfischen zaubert, ist eine Spitzendelikatesse. Ich durfte mit Sven schon einmal kochen und essen. Seitdem sehe ich sowohl das Kochen als auch das Fischgericht als solches von einer ganz anderen Seite. Das neue Kochbuch von den beiden kann ich ebenfalls nur wärmstens empfehlen. Wer die Art der Fernsehköche Tim Melzer und Rolf Zacherl mag, der wird über die Fischgerichte von Sven begeistert sein! Ein bisschen Rock, ein bisschen anders, ein bisschen schön und ganz viel lecker!


Weiter ging es von der Schlemmerei nach hinten in die Halle. Dort stolperte man über ein riesiges Fischbecken in dem sich Forellen, Störe und Hechte tummeln. Hier hat sich Boris Wagner mit seiner Fischzucht-Präsentation platziert und informierte Vereinsvertreter über seine Besatzfische. Mit dabei natürlich auch seine Angelpark-Aktionen - vom Forellen- bis zum VIP-Teich.

 

Überhaupt war diese Ecke für Spezialisten sehr interessant. So konnte man den Umgang mit dem Wallerholz an einem Kunstbecken genau vom Meister lernen. Dazu gibt es ein handgefertigtes Holz genau abgestimmt für das angestrebte Wallergewässer. Man lernt hier aber auch, wie man unterschiedliche Plop-Laute mit einem Holz erzeugt. Wallerangler konnten schon alleine mit dem Besuch dieses Standes ihre Fangerfolge um mehrere Umdrehungen steigern.

 

Gegenüber stand Andy Weyel von Shimano-Deutschland, der über seine Erfahrungen der letzten Süßwasserfisch-Reisen berichtete und Tipps zum Shimano-Rutenmaterial gab. Ein Video-System unterstützte ihn dabei mit atemberaubenden Filmszenen.

 

Ein weiteres Schmankerl war der Rutenbauer Dennis Kunz. Wer es also individuell mag, konnte hier sehen, wie eine individuelle Rute entsteht oder wie eine Markenrute individuell verfeinert werden kann. Ganz klar, das ist etwas für Liebhaber und Ästheten. Aber genau dafür sind ja solche Messen auch da! Man möchte auch das Ungewöhnliche erhaschen.

 

Noch ein Liebhaber-Stück fand man nur wenige Schritte weiter. Fast etwas unscheinbar war ein individueller Fliegenrollenbauer positioniert. Christian Grötzinger bürgt für feinste Rollentechnik "Made in Germany". Wir haben uns davon überzeugt und waren von der Innovation des 23-jährigen Bauers begeistert. Seine Produkte haben sich in der Fliegenfischer-Szene schon bis in die Vereinigten Staaten herum gesprochen und auch wir werden mit diesen tollen Rollen bald mal ans Wasser ziehen. Versprochen!

 

Ihr merkt schon, wir waren jetzt im Fliegenfischer-Bereich angekommen. Das Hauptthema ist dort natürlich das Fliegenbinden. Man konnte an vielen Ständen zu dem Thema Material und Informationen sammeln. In der Mitte steht ein riesiger Trainings- und Präsentationsparcours. Wer es also einmal ausprobieren wollte, der war hier genau richtig - mit Lehrmeister.

 

Aber auch die Präsentationen zum Thema Flugangeln waren sehr anschaulich und man konnte ihnen von jedem Ort aus gut zuschauen und auch zuhören.

 

Kaufstände in Massen!

Wer neben den ganzen Vorführungen auch etwas mit nehmen möchte, der kann natürlich in den vielen Standard-Verkaufsständen nach Herzens Lust zuschlagen. Neben hochwertigen Artikeln findet ihr sicher auch das eine oder anderen tolle Angebot. Aber wie schon am Anfang erwähnt: Eine Angebotsschlacht wird man hier sicher nicht erleben. Dann sollte man besser online in den Angeboten stöbern.

 

Fazit:

8 EUR Tageseintritt (Erwachsene) für Präsentationen, Einzelgespräche und Angelgeräte in einer Vielfalt, wie man sie in keinem Angelgeschäft vorfindet, sind den Besuch wert.

 

Dazu kommt noch ein 7-stündiges Vortragsprogramm mit Bildpräsentationen in extra dafür hergerichtete Räumlichkeiten und dazu die vielen Koch- und Standpräsentationen. Mehr kann und darf man von einer Angelmesse nicht erwarten. Nicht umsonst pilgern 12.000-15.000 Zuschauer an 3 Tagen nach Duisburg um das Angeln hautnah mitzuerleben. Auf dass die neue Saison bald wieder starten kann...

 

Zurück zum Geschehen… nachdem nun alle Ihre Angelplätze eingenommen und eingerichtet hatten, fiel um 13.00 Uhr der ersehnte Startschuss…
Da sich am Gartower See das Angeln mit der Feederrute  immer mehr durchgesetzt hat, flogen die Körbe auf  Weiten zwischen 30 und 90 m in den See. Auch versuchten einige Ihr Glück mit der Pole, der Whip, sowie der Matchrute und konnten damit zum Teil auch reichlich Beute machen, wie sich nach dem ersten Wiegen später herausstellte.

 

Norbert Zajac, der Mann hinter der Messe

Zoo-Freunde kennen den Namen Zajac aus Rundfunk und TV. Er betreibt eines der größten Zoo-Fachgeschäfte in Deutschland. Ganze Busreisen machen bei ihm im Geschäft Halt, nur um sich das Geschäft und seine Tiere anzusehen, die auf über 12.000 qm präsentiert werden.
Norbert Zajacs Hobby sind Messen. Er organisiert vorwiegend Messen im Bereich der Aquaristik. Ganze Zucht-Weltmeisterschaften veranstaltet er in Duisburg, an denen Züchter aus über 40 Nationen teil nehmen. "Gegen diese Veranstaltungen ist unsere Angelmesse ein Kinderspiel" erklärt er mir in unserem Gespräch.

 

Aber wie kommt nun ein Zoo-Fachgeschäfts-Händler zum Angeln? "Das ist ganz einfach! Ich angle selbst. Ich stippe für mein Leben gern. Wenn ich einmal ganz in Ruhe gelassen werden möchte, packe ich meine Ruten und gehe ans Wasser. Da ich zudem gerne Messen organisiere, war der Weg zur Angelmesse nicht mehr weit."

 

Norbert Zajac achtet bei der Zusammenstellung des Messeprogramms penibel darauf, dass die Chemie stimmt. Mittlerweile ist eine große Familie aus den besten Angelprofis daraus entstanden, die sich Jahr für Jahr zum Jahresstart in Duisburg trifft und eine Angelschau der Extraklasse auf die Beine stellt. Norbert Zajac hat also ein Händchen für solche Dinge. Nicht umsonst wurde er vom Land NRW zu einem der wenigen Wirtschaftssenatoren berufen. Denn auch die Landesregierung hat erkannt, das in der Familie Zajac Unternehmerblut mit viel Seele steckt, wovon auch die Politik noch viel lernen kann. Schön, dass wir Angler bei so einer Messe auch davon profitieren dürfen...