Der Mücken bestes Stück – die Larve

Wir alle kennen die kleinen Plagegeister, die uns vorwiegend an den Sommerabenden den Nerv am Wasser rauben. Laufend haben sie nur eins in ihrem Minikopf – unser Blut!

Und so schwirren sie unaufhaltsam um unsere Köpfe, schlüpfen nicht selten in die kleinsten Kleidungsritzen und zerstechen so manch einen bis auf die Knochen.

Aber die Mücken haben auch für uns Angler eine sehr fängige Seite. Nämlich ihr Larvenstadium.  In dieser Entwicklungsphase schwimmen sie in flachen Tümpeln oder Seebereichen im Wasser auf und ab und sind eine sehr beliebte Beute unserer Fische. Was liegt also näher, als diese Larven einmal zum Angeln zu verwenden. Wie es funktioniert erfahrt ihr in den nächsten Wochen auf fangplatz.de

Mein erster Kontakt

In meinen ganz frühen Angeljahren in den 80ern durfte ich viel dem deutschen Ausnahmeangler Otto Wessels über die Schulter schauen. Er war gerade mit Wolf-Rüdiger Kremkus und Co. Team-Weltmeister geworden und war für uns der Wissensschatz für die ausgebufftesten Angeltechniken. Eines Tages sah ich Otto an der Weser, wie er verzweifelt mit Miniaturködern kämpfte. Sie sollten mit Sekundenkleber am Haken befestigt werden. Beim genauen Hinsehen erkannte ich, dass es unsere heimischen Mückenlarven waren (die damalige Sowjetunion mit ihren Riesenmückenlarven lag noch meilenweit hinter einem eisernen Vorhang und Mienenfeldern). Natürlich probierten wir es einige Tage selbst an unserem Bach aus und fingen wahnsinnig gut damit. Natürlich waren die Larven damals noch extrem klein und mit den »Monstern« von heute nicht zu vergleichen. Auch wir mussten da mit Sekundenkleber arbeiten.

Der Fangerfolg war aber überzeugend und so wurde in den folgenden Jahren so mach ein Jugend-König in unseren Reihen gekührt – dank unserer Geheimwaffe. Der Rest der ambitionierten Jung-Angler landete nicht selten abgeschlagen im Fang-Nirvana.

Es ist also etwas dran an der Zuckmücke. Es ist ihr Aussehen, ihre extreme Beweglichkeit und nicht zuletzt ihr hoher Nährwert für die Fische.

Kurze Zucki-Kunde

Zucki ist nicht gleich Zucki. Oft kommt es auch zu Missverständnissen, denn die Tiere heißen in den verschiedenen Ländern zudem extrem anders.
Hier die wichtigsten Bezeichnungen:

Deutsch Französisch Englisch Angel-Einsatz
kleine Mückenlarve Fouilles Joker Futterzugabe
große Mückenlarve Vers de Vas Bloodworm Hakenköder

Und als wenn das nicht schon kompliziert genug wäre, gibt es noch Unterschiede zwischen den osteuropäischen Larven und ihren westeuropäschen Verwandten aus den Beneluxländern. Die großen Zuckmückenlarven des Ostens sind wesentlich härter und robuster. Sie eignen sich daher viel besser als Hakenköder, wobei die westeuropäischen Larven oft in unseren Breitengerade lieber von den Fischen genommen werden. Ihr merkt schon, die Sache mit der Larve ist nicht ganz so einfach.

Anschaffung und Pflege der kleinen Zuckies

Zugegeben, die Larven liegen nicht in jedem Angelfachgeschäft abgepackt auf dem Wühltisch. Man muss sie schon suchen. Oft hilft auch ein Blick in den Aquaristik-Shop. Bei vielen Angelfachhändlern können sie auch bestellt werden und den einen oder anderen Online-Versand gibt es ebenfalls schon.

Hat man seine Ration (zumeist 500 g kleine Mückenlarven) erst im Haus, geht es an die Pflege. Die kleinen Tierchen bedürfen einer großen Aufmerksamkeit. Die kleinen Zuckmückenlarven werden meist in feuchten Zeitungspapier eingewickelt ausgeliefert.

Gleich nach dem Kauf geht es an das Reinigen. Denn man sollte schnell die lebenden Larven von den toten trennen. Das verlängert die Lebensdauer und verbessert die Qualität! Hierzu löst ihr die Larven vom Zeitungspapier und gebt sie vorsichtig auf ein Sieb (ca. 200 g pro Reinigungsdurchgang), was sich in einer mit (Leitungs-)Wasser gefüllten Wanne befindet.

Die kleinen Zuckmückenlarven müssen sich dabei vollständig im Wasser befinden, so dass die lebenden Tierchen sich bewegen können und durch die Maschen des Siebes nach unten wandern, während alles Tote oben über dem Sieb schwimmen bleibt.

Wenn der Abfall oben abgeräumt ist, können die lebenden Larven mit einem Aquarien-Kescher vom Wannengrund abgeschöpft werden. Ihr könnt sie auch in ein feines Küchensieb gießen. Die eingefangenen Larven etwas abtropfen lassen und dann auf frischem Zeitungspapier gleichmäßig verteilen.

Wer mag, kann jetzt für 5 – 10 Minuten die Feuchtigkeit von den Larven in das Papier einziehen lassen und sie dann auf ein neues Blatt umlegen.

Spätestens dann können die Zuckies eingewickelt und in einer Tüte verstaut werden. Macht aber keine Würste, sondern schön flache und dünne Päckchen! In diesem runderneuerten Zustand könnt ihr sie dann in den ca. 5 – 7 °C. temperierten Kühlschrank lagern.

Wer eine längere Hälterung vorsieht (länger als 2 – 3 Tage), der sollte die Tiere in einer großen Wanne mit Wasser halten. Die Larven müssen sich gut ausbreiten können. Der Wasserstand sollte ca. 2 – 3 oberhalb der Larven sein. So sollten sie sich pudelwohl fühlen.

Egal welche Lagerung ihr euch auswählt. Am besten ist, wenn ihr die Zuckies jeden Tag einmal reinigt und in der Wanne das Wasser wechselt. Wie gesagt, die Tiere sind anspruchsvoll, aber auch extrem fängig. Die Engländer nennen sie nicht umsonst »Joker«!

Anschaffung und Pflege der großen Zuckies

Je nach Bestellmenge erhaltet ihr die großen Mückenlarven ebenfalls in Zeitungspapier oder in kleinen mit Wasser gefüllten Tütchen bzw. Plastikgefäßen.

Gerade im Sommer sind die frisch gekauften großen Mückenlarven durch Transport und Temeraturschwankungen eher schlappe Gesellen, die jetzt für das Angeln erst mal fit gemacht werden müssen. Denn so an den Haken befestigt laufen sie aus und hängen schlaff herab. Sie sollen sich am Haken aber Auf- und Einrollen. Ihr könnt sie genauso, wie bei den kleinen Zuckmückenlarven beschrieben, regelmäßig reinigen (s. oben) und dann kühl lagern. Oft hilft auch ein Bad in kaltem Wasser mit einer Sauerstoffpumpe mit einem Zerstäuber-Stein. So berappeln sich die schlappen Burschen zu knacken Gesellen, die man wunderbar mit ihrer festen Haut an den Haken befestigen kann.

Auch bei den großen Zuckmückenlarfen steht also die Pflegearbeit weit vor dem Fangerfolg. Aber auch hier gilt: »Es lohnt sich!« Nicht umsonst sind Zuckies bei vielen Hegefischen als Köder verboten, weil sie eben so fängig sind. ;-)

Infos zum Transport

Zuckmückenlarven mögen absolut keine Temperaturschwankungen. Also heißt es gerade im Sommer, die Larven möglichst kühl zum Angelplatz zu bringen. Kühltaschen und Kühl-Köderboxen sind da die besten Hilfsmittel.

Vorbereitung für das Angeln…

…der kleinen Zuckmückenlarven
Wer meint, dass jetzt alles in Sachen Zuckmückenlarven erledigt ist, der hat sich getäuscht. Denn am Angelplatz müssen die kleinen Zuckies getrennt werden. Sonst bilden sich Zuckieklumpen im Futter und das möchten wir ja nicht.

Hierzu befreien wir die Tierchen wieder von ihrem Zeitungspapier und bestreuen sie vorsichtig mit sehr feinem Lehm oder speziellen Mückentrenner. Die Angelfirmen halten so manch ein Wundermittel parat. Wir haben in unserer Ecke extrem feinen Lehm, den ich einsammeln kann und  mit dem ich super zurecht komme.

Liegen die kleinen Zuckies schön locker vor uns, können sie zum Futter gegeben werden. Aber auch hier gibt es wieder viel zu beachten, denn in normalen Futter »verbrennen« sie. Das bedeutet, dass sie binnen kürzester Zeit austrockenen und zu Grunde gehen. Damit war alle Mühe umsonst. In puren Lehm oder Erde könnt ihr die Zuckies problemlos für längere Zeit geben.

Möchtet ihr sie zum Futter geben, dann bitte immer nur kurz vor der Fütterung und dann auch immer nur in das Futter, was ihr in den nächsten Minuten auch ins Wasser befördert. Auch hier macht sich wieder der Unterschied zwischen den osteuropäischen und den westeuropäischen Larven bemerkbar. Die »Ossis« können mehr vertragen und halten daher auch länger im Futter.

…der großen Zuckmückenlarven
Die großen Zuckmückenlarven nehme ich gerne schon gereinigt und in kleinen mit Wasser gefüllten behältern mit zum Angeln. Habe ich größere Mengen, dann sind sie ebenfalls in Zeitungspapier eingewickelt. Auch hier gilt: Kühl transportieren!

Am Wasser angekommen, nehme ich mir meinen Köder-Anteil und gebe ihn in weiße Schalen. Hier setzen sich die roten Tiere sehr gut vom Untergrund ab und man erwischt bei der Köderauswahl immer einen »knackigen Brummer«.

Soweit zur allgemeinen Zuckmückenlarven-Pflege und zur Vorbereitung zum Angeln. Jetzt wird es höchste Zeit, dass wir einmal den deutschen Spezialisten über die Schulter schauen und dabei lernen, wie sie die Sache angehen. Die Grundkenntnisse haben wir jetzt ja. Im folgenden Bericht geht es an die Angel-Details…

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