Distanz-Wagglern: Mit der Matchrute entfernt fangen

Ralf Herdlitschke schenkte mir auf einer Stippermesse einmal mit einem Augenzwinkern eine Matchpose mit einer Tragkraft von 50 Gr. „Hier“ sagte er, „die ist für dich zum Üben...“
Ich hätte nie gedacht, dass ich das Ding noch mal zum Fischen herausholen sollte. Aber als ich auf dem Shimano Product Camp mit dem Shimano Match-Team Niederlanden unterwegs war, stolperte ich über eine Angeltechnik mit genau solchen Posenkalibern.

Waggler-Angeln, dass kann bis zu Entfernungen von bis zu 30 m sinnvoll eingesetzt werden. So habe ich noch die Empfehlungen von vor 15 Jahren in den Ohren. Heute ist das alles anders. Denn mit Wagglern kann man auch auf extrem weite Distanzen von über 40 Metern angeln. Denn dann kommen richtige Waggler-Raketen mit Tragkräften von 30 Gramm und mehr zum Einsatz. Folgende Situationen sind dazu geradezu geschaffen.

Die Distanz-Situationen

Häufig stehen die großen Fische extrem weit vom Ufer entfernt. Entweder weil sie sehr scheu auf das menschliche Treiben am Ufer reagieren oder weil es der Verlauf der Uferkante es so vorgibt. Wir müssen nur einmal an die begehrten Badestrände im Sommer denken, an deren Kanten sich weit draußen gerne die dicken Brassen und Karpfen aufhalten. Diese interessanten Kanten fallen zum Beispiel in Baggerseen erst nach einer lang gezogenen Flachwasserzone auf tiefere Wasserregionen ab.
Hier müssen beim Angeln weite Entfernungen überwunden werden, um an die ordentlichen Brocken zu gelangen. Fällt die Kante in der Entfernung sehr steil und tief ab (tiefer als 6m Tiefe) ab, ist auch eine Feederrute zur Bissanzeige nicht optimal, da durch die Kante der Biss kaum oder gar nicht auf unsere sensible Spitze übertragen wird. Jetzt ist die Matchpose als enorm sensibler Bissanzeiger optimal. Denn mit ihr werden auch Bisse der sensibelsten Fische übertragen, da unser Köder mit Posenmotage wesentlich unvorsichtiger, da widerstandsloser, von den Fischen genommen werden als bei anderen (Grund-)Angeltechniken.

Das Material

Das nötige Material für diese Angeltechnik ist überschaubar und der Zusammenbau ist einfacher als bei manch anderer Matchruten-Montage (schaut euch die Montage-Abbildung an).
Damit ihr die Wurfweiten problemlos erreicht ist eine kräftige Matchrute vonnöten. Sie sollte eine ordentliche Länge (4,20m-4,50m) besitzen, damit euer Anschlag auch über die weite Distanz bis zum Köder durchdringt. Darüber hinaus sollte sie über ein kräftiges Rückgrat verfügen. Wir setzen in unserer Angel-Session auf eine Shimano Aerocast Matchrute. Sie verfügt über die Oval-Blank-Technologie. Der oval geformte Rutenblank verfügt über zwei Aktionen. Beim Werfen (Rolle zeigt zum Wasser) ist sie extrem kräftig und katapultiert unser schweres Wurfgeschoss über unglaubliche Distanzen. Im Drill (Rolle zeigt auf den Fußboden und die Rute wird zur Seite gehalten) spielt die Aerocast dann ihre sensible und schnellen Aktionsfähigkeiten aus. Damit ist die Shimano AEROCAST für solche Angeltechniken ideal. Übrigens wurde Alan Scotthorne mit einem Prototyp dieser Rute Weltmeister.

Als Rolle setzten wir auf eine 4000er Super GTM-RC. Sie hat eine Heckbremse mit Kampfbremse und ist gerade für weite Distanzen wie gemacht, da sie eine enorm hohe Übersetzung (5,8:1) hat und somit sehr viel Schnur pro Kurbelumdrehung einholt.

Die Angeltaktik

Sobald wir auf der Distanz unsere Kante gefunden haben, loten wir die Montage so aus, dass dass Blei am Grund aufliegt (Schnurtiefe 5-10 cm tiefer als Wassertiefe eingestellt). Wird nun der Köder von einer Brasse aufgenommen, zieht der Fisch die Schnur durch das Schnurröhrchen an. Das hat zur Folge, dass die Pose absinkt. Schwimmt der Fisch allerdings flott Richtung Wasseroberfläche, hebt er das Blei mit an, wobei sich die Pose dann langsam aus dem Wasser bewegt. Meist zieht der Fisch aber die Schnur vorsichtig durch das Blei, wobei die Pose absinkt.

Der normale Biss bei schwebenem Blei

Hebebiss bei aufliegendem Blei

Futterstrategie und Köder:

Auf so weite Distanzen kann das Futter nur mit einer Futterschleuder an den Angelplatz gebracht werden (fangplatz.de-Artikel mit Schleuder-Tipps). Da wir nahe am Grund fischen möchten, ist ein schweres, schnell zum Grund absinkendes Futter ohne all zu vielen Schwebstoffe geeignet. Ideal ist hierbei ein Futter mit einem großen Biskuit-Anteil. Im Frühjahr und Herbst sind Futterfarben in der Färbung des Grundes zu wählen. Im Sommer können auch mal ganz helle oder sogar gelbe Futterfarben gerade für große Friedfische ein echter Lockbringer werden.

Als Köder eignen sich vor allem Mistwürmer, Maden und Caster an einem 14-18er Haken. Sie halten auch dem Druck starker Würfe stand (fallen also nicht vom Haken) und können zudem dem Futter als Zusatzlockstoff gut untergemischt werden. Angeln wir an steilen Kanten oder an Kanten mit viel Laub oder Steinschüttungen am Grund (z.B. Stauseen), sollten tote Maden als Futterzusatz eingesetzt werden. Sie verkriechen sich nicht am Grund oder rollen ungehindert in die Tiefe und locken so besser die Fische an. Wie ihr tote Maden herstellt, könnt ihr in diesem fangplatz.de-Artikel nachlesen.

Fazit:

Mit der Matchrute ist mit dem Material heute sehr viel mehr möglich als nur das einfache Angeln mit einem Waggler im Uferbereich. Die neuartige Shimano-Technik des Ovalblanks bei der AEROCAST erweitert die Einsatzmöglichkeit einer Matchrute um ein Vielfaches. Matchangeln muss also nicht immer ganz fein sein, sondern darf auch mal im Blei grober ausfallen ohne dass man auf Fangerfolge verzichten muss. Ausprobieren wird empfohlen!