Mit der Bolorute am Gutenbrunnen

Unsere Saar hält ganz gewiss das ein oder andere Highlight an Angelstrecken parat, aber in St. Arnual einem Stadtteil von Saarbrücken, trifft man an diesem Fluss auf Strömungsverhältnisse die geradezu zum Angeln mit allen möglichen Varianten an Rollenrutentechniken einladen. Mitte September wollte ich mal wieder mit der Bolo und der Matchrute ein paar Fische fangen, doch leider goss es an diesem Morgen, was der Himmel hergab. Als sich die Wetterlage etwas beruhigt hatte packte ich, nach anfänglichem Zögern, schließlich doch mein Tackel aus.

Drei montierte Aspire Bolo Match in 6 und 7 Metern und eine Nexave AX Match 3.9 Meter, nahm ich aus meinem Futteral. Die Strömung war sichtlich stärker als vergangene Woche beim Bezirkskönigsfischen und zumindest was den Einsatz der Matchrute anging, war ich doch etwas pessimistisch gestimmt. An der Stipprute könnte man jetzt mit 3 Gramm verzögert fischen dachte ich mir, aber egal, ich hatte ja noch die Bolos ausgepackt und irgendwie würde ich schon ein paar Fische verhaften.
Nun richtete ich meine Futtermischung, die heute nur aus Super Mix bestand.  Ja recht untypisch für mich, sogar ohne irgendwelche Zusätze, denn ich hatte vor ab der nächsten Mischung geschmackliche Veränderungen vorzunehmen und auch das wollte ich hier testen. Jetzt probte ich den Ernstfall und setzte dem Futter soviel Wasser zu, dass es mit vielen Castern und Pinkies angereichert werden konnte. Wichtig war bei der Konzistenz auf jeden Fall auch, dass ich es per Unterhandwurf punktgenau mit einer Hand gedrückt, nachfüttern konnte ohne schon in der Luft auseinanderzubrechen. Mit der nötigen Übung habe ich im laufe der Zeit diese Nachfütterungstechnik so perfektioniert, dass bei jedem Wurf fast immer der Schwimmer getroffen wird, bei Distanzen um die 25 Meter.
Wenn die CIPS es so will nutzt es eben nichts den alten Zeiten hinterher zu trauern, in denen man noch mit apfelsienengroßen Bällen während des gesamten Fischens um sich werfen durfte

Nun drückte ich 6 dicke Futterbälle für die Anfangsfütterung, stellte meine Bolo nach dem Wurf in die Ablage und beförderte das Futter, nach dem die Montage dort angekommen war wo ich sie haben wollte, zum Angelplatz hinaus. Der Futterplatz lag von mir aus gesehen ungefähr 3 bis 4 Meter in Fließrichtung, unterhalb meines Sitzplatzes. Also optimale Voraussetzungen um auch schön im Fressbereich der Fische zu angeln.
Die 6 Meter Aspire Bolo Match hatte ich mit einer 6 Gramm Pose bestückt, um die Rotaugen, welche heute beißen würden wie ich glaubte, in der freien Drift zu fangen. Mit schwereren Schwimmern von 8 und 9 Gramm wollte ich mit schleifender Bebleiung den Brassen und großen Rotaugen nachstellen. Mein Plan war nun, von Anfang an mit der leichten Montage, bei fast jedem Trieb mit dem Köder knapp über Grund ein Rotauge zu fangen, aber meistens kommt es anders als man denkt!
Nach einer halben Stunde musste ich notgedrungenermaßen einsehen, dass mein Vorhaben schon jetzt gescheitert war, denn außer 4 kleineren Fischen und einigen Fehlbissen tat sich gar nichts.

Nun griff ich mir die 7 Meterrute mit der 8 Gramm Pose, stellte sie so ein das die drei untersten 6er Schrotbleie über den Boden gezogen wurden. Auf das Ergebnis war ich gespannt und dachte mir, ich währe doch wohl besser zu Hause geblieben.
Jedoch fing nun nach kurzem Aufenthalt im Wasser meine Pose verdächtig an zu zittern, was meinerseitz mit einem sofortigen Anhieb quittiert wurde. Die Bolo Match verneigte sich erfurchtsvoll vor einem schönen 3 Pfünder Saarbrassen. Donnerwetter dachte ich, das war wohl eher Zufall als ich den Burschen kescherte, doch anschließend konnte ich mit dieser Montage noch drei weitere Keulen erbeuten bis schließlich wieder nichts passierte.
Ich nahm jetzt die 9 Gramm Montage und stellte das Hauptblei so ein das es voll auflag. Was nach CIPS nicht regelgerecht ist, aber trotzdem manchmal richtig gut und gerade die dicken Brassen fängt. In der nächsten Viertelstunde passierte außer ein zwei Zupfern überhaupt nichts!

Das gibts doch gar nicht, dann versuche ich es eben mal mit der Matchrute. An ihr war meine Zoomermontage, in 10 Gramm mit einem Prototyp den ich momentan bis 16 Gramm für FTM entwickele montiert und ich stellte ihn so ein, dass die unteren 3 Schrote im Abstand von 2 Zentimetern am Boden schleifen mussten. Ich fing, aber noch nicht so wie ich es mir vorstellte. Da zog ich das Rig so zurecht das nur noch ein Schrotblei knapp über dem Boden mit der Montage abdriften konnte, aber bei schleifendem Vorfach.
Ab jetzt ging die Post so richtig ab und fast bei jeder Fahrt meines Wagglers hob sich mein Bissanzeiger deutlich sichtbar aus dem Wasser. Ja man konnte schon am Biss erkennen was für ein Fisch nach dem Anhieb am Haken hing.Das war eine Zeitlang auch ganz witzig, bis mir der Gedanke kam, wieso ich eigentlich nicht mit der Bolo so gut fangen konnte?
Ich machte mir so meine eigenen Theorien über die ganze Sache und nahm schließlich wieder die leichtere Bolopose an der 6 Meterrute zur Hand. Die Bleie dem Beissverhalten anzupassen war mein Gedanke. Also zog ich die Schrote, bis auf eins der Nummer 5 kurz über dem Wirbel, alle bis zur Olivette ca. 70 Zentimeter nach oben.Und stellte anschließend die Tiefe der Montage zur leichten Grundberührung des Wirbels ein.Die Antenne ragte dabei vielleicht noch 3 Zentimeter aus dem Wasser und genau das war des Rätsels Lösung. In schöner Regelmäßigkeit kamen auch mit dieser Montageneinstellung an der Bolo die Hebebisse der Brassen.

Als ich dann noch einige schöne Fische gefangen hatte, packte ich zufrieden ein. Der Futtertest war ebenso geglückt und wieder mal was dazugelernt hatte ich auch. Mit diesem Bericht wollte ich euch verdeutlichen, wie man sich in verschiedenen Situationen durch Probieren doch noch zum Erfolg angeln kann.

Wer weiß, vielleicht herrscht ja irgendwann bei einem wichtigen Angelevent eine ähnliche Gewässersituation, dann kann man unter Umständen mit diesem Input etwas anfangen.Man lernt eben ständig dazu! Nur der Angler, welcher auch bereit ist sich weiter zu entwickeln und sich brauchbarem Neuen, seien es Techniken oder Material, nicht verschließt wird auch letztendlich am Wasser erfolgreich sein.

In diesem Sinne, euer
Claus Müller