Deutscher Anglertreff 2005 aus Michael Schlögl's Sicht

Der Anglertreff der Mannschaften ist vorbei und das erste Mal seit 6 Jahren heißt der Sieger nicht Team Mosella. Trotzdem zeigte dieses Angeln wieder, dass fangplatz-Partner Michael Schlögl national in einer anderen Klasse fischt. Wie er den Anglertreff erlebte und wie er sich mit dem Team von fangplatz-Partner Mosella darauf vorbereitete und mit welche Montagen und Futterstrategien sie fischten, lest ihr hier...

Eine Woche vor dem Anglertreff war ja schon der Tubertini-Cup am Sacrow-Paretzer-Kanal. Somit waren alle Top-Angler auch schon beim Tubertini-Cup anwesend. Aber kaum einer der Elite angelten mit. Viel mehr wurde das Poker-Face aufgesetzt und die Situation am Gewässer studiert. Michael war auch schon mit seinem Team angereist. Wie ein trockener Schwamm wurde jede noch so kleine Information aufgesaugt. Bei solchen Angeln können Kleinigkeiten entscheiden und so schaute Michael selbst bei mir ganz genau auf die Montagen. Vor allem am zweiten Tag des Tubertini-Cubs war sein Interesse groß. Denn ich fing auf einem heiklen Platz recht gut Brassen und trieb damit einen meiner einheimischen Nachbarn schier zur Verzweiflug. Also machte ich irgend etwas richtig! Michaels Kommentar dazu: www.GuterAngelplatz.de! ;-)

Die Vorbereitung:
Die richtige Arbeit begann für Michael und sein Team aber erst als alle Tubertini-Cup Teilnehmer abgereist waren. Man sondierte noch einmal das Gewässer, teilte es für Testdurchgänge ein und dann wurde der Kanal 5 Tage lang intensiv studiert. Man hatte extra 6 Stopper mit genommen, die annäherungsweise den Ernstfall simulierten. Wo ist der Untergrund eben, wo sind Löcher, wo braucht man die Bolorute und wo kann man auch auf 9 Meter zum Erfolg kommen? Alle diese Fragen schienen für die Mosella-Angler nach der Testphase geklärt. Denn sie fingen auch auf ihren Mittelplätzen fast immer 5-10 kg Fische pro Testdurchgang. Die 13-Meter-Bahn stellte sich als besonders fischträchtig heraus, wobei der Wurm der bevorzugte Köder bei den Fischen war. "Für mehr Variationen war einfach zu wenig Futter erlaubt", stellte Michael fest, "Man musste sich am Anfang des Fischens festlegen."
Die Testtage waren verdammt schweißtreibend. Vor jedem Angelstart musste das Gerät geschleppt werden und das richtig, denn man konnte mit dem Auto nur von einer Stelle an den Kanal heran fahren und dann hieß es Laufen Laufen Laufen...
Aber wie heißt es so schön: "Vor dem Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt..."

Die Fütterung:
Zum Beginn des Anglertreffs fütterte Michael auf seine 13-Meter-Strecke nur 5 Apfelsinen große Futterballen mit extrem hohem Casteranteil und ein paar geschnittenen Würmern (s. Futterrezept unten). "Die Fische reagierten die ganze Testzeit riesig auf das reine Platschgeräusch des Futters. Daher reichte eigentlich schon das Platschen des einfallenden Futters zum Anlocken." erläuterte mir Michael. Da man auch nur 10 Liter Futter zur Verfügung hatte (Michael: "Viel zu wenig für eine Fließstrecke, 14 Liter wären ok gewesen!"), musste man sparsam mit dem Gut umgehen. Um die Fische richtig neugierig auf seinen Futterplatz zu machen begann er in der letzten Minute der Futterzeit mit seiner kontinuierlichen Fütter-Feinarbeit. Alle 10 Sekunden warf er abwechselnd wallnussgroße Bällchen aus Terra River und Zuckis sowie kleine Futterbällchen mit viel Caster ein. So platschte es regelmäßig an seinem Platz und es fiel kontinuierlich Lockfutter zum Grund. Während des Angelns setzte Michael dieses Füttern bei jeder Drift fort. "Ich hatte an beiden Tagen eine sehr ruhige Hand. Nahezu jeder Ball landete auf der selben Stelle.", zeigte sich Michael sehr zufrieden mit seiner Fütterung.

Das Futterrezept für 5 Liter Futter:
50 % Mosella Favorit Brassen
50% Explosiv
2 Pakete Mystery Mix

Die Angelerde (4 Liter):
Mosella Bentonite im Verhältnis 1:4 (zur Erhöhung der Klebewirkung)

Die Köderzusammenstellung war:
1.5 Liter Caster
0.5 Liter Zuckies
0.5l Würmer

Das Angeln:
Michael fischte mit 2-4 Gramm Posen vom Typ Mosella MST-11 (s. Monatgeabbildung) an einer 0,14mm XEDION Pool Line und einem 0,9 mm Maniac Impact Latex in der Rutenspitze seiner XEDION I Rute. Die Schnur wühlte Michael extra wegen der vielen Muscheln etwas dicker. Das Vorfach war 0,10 mm stark, an ihm war ein 18er Haken Xedion TXR-4 Allround geknotet und es lag auf einer Länge von ca. 10 cm auf dem Grund auf. Mit einer verzögerten Drift sollten so die "sicheren" Rotaugen und Güstern gefangen werden. Aber auch die eine oder andere Brasse hat er damit "ergaunert".

Sobald Michael das Gefühl hatte, dass die Rotaugenbisse nach ließen, kam sein Lolly-Kit mit einem 9 Gramm Lolly "Marke Eigenbau" zum Einsatz. Hier war eine 2-Punkt-Bebleiung an ebenfalls 0,14er XEDION Pool Line montiert (s. Abbildung der Lolly-Montage). Bei dieser Montage legte er dann aber das komplette Vorfach (Stärke 0,12mm) auf, so dass der 14er TXR-3 Brassenhaken mit dem Köder ruhig auf dem Grund ruhte. Den Lolly führte er ganz langsam in der Strömung oder er blockierte ihn ganz.
"Ich denke, ich habe schon am ersten Tag sehr schnell gemerkt, wo die Reise hin geht, als ich in den ersten Minuten keinen Biss bekam. Ich reduzierte sofort meinen Wurm- und Casteranteil im Futter, wechselte auf wesentlich kleinere Haken (vorher fischte er mit 14er) und angelte von nun an nur noch mit Vers de Vase oder mit einem Kombi Vers de Vase mit Caster." erklärte mir Michael. Stellt sich die Frage, wie er die Brassen fing? "Ganz einfach", grinste mich Michael an. "Ich habe 10-15 Vers de Vase auf einen 14er Brassenhaken Xedion TXR-3 gesteckt. Das dauerte zwar eine Weile, aber die Brassen mochten es..."

Das war sicher ein guter Schachzug, denn Würmer als Köder hatten beim Fischen komplett versagt. Die Fische hatten die reichlich gefütterten Zuckmückenlarven wohl in ihr Herz geschlossen und ließen ihre sonst so hoch gehandelte Lieblingsspeise links liegen. ähnliches hatte ich übrigens auch schon von anderen Ausscheidungsfischen am Sacrow-Paretzer-Kanal mit Zuckie-Erlaubnis gehört.
Mit dieser Taktik erfischte Michael am ersten Tag 6,3 kg (das zweithöchste Gewicht im Sektor waren 4,2 kg) und am zweiten Tag sogar 12,3 kg, wobei der zweite dann erst mit 6,5 kg zur Waage kam. Besser kann es eigentlich nicht laufen!
Nebenbei fischte er übrigens noch das verloren gegangene Kit seines Nachbarn wieder aus dem Wasser. Dieser "Fang" gab zwar keine Sonderbewertung, zeigte aber das bei Michael Fair-Play immer vorrang hat.

Michaels Erfolg zeigte, dass die Mosella-Taktik eigentlich perfekt auf das Gewässer abgestimmt war, warum hat es dann nicht für das Team gereicht?
"Ja schummi, du hast es ja selbst beim Tubertini-Cup gesehen, als du am ersten Tag auf einem schlechten Platz saßt (Michaels-Kommentar zu mir damals: www.ScheissPlatz.de). Da kannst du dich einfach nicht wehren! So ging es einigen unserer Team-Mitglieder jetzt beim Anglertreff. Gut man hätte sicher hier und da die Bolo-Rute einsetzen können oder es auf der 9-Meterbahn probieren sollen. Nur wenn du beim Training so gnadenlos gut fängst, dann bist du sehr stark von deinem Setup überzeugt. Außerdem konnte man mit 10 Liter Futter wirklich nicht viel Experimentieren, daher haben wir uns im Team von vorne herein für das Angeln auf 13 Metern fest gelegt. Es wurde also alles im Team so umgesetzt, wie wir es uns erarbeitet haben. Aber an diesem Wochenende waren andere einfach besser und das muss man auch akzeptieren können. Nächstes Jahr werden die Karten neu gemischt und das Mosella-Team wird wieder probieren ein gutes Blatt zu spielen."

Davon bin ich überzeugt und ich glaube, wir können in Zukunft noch einiges von den Mosella-Jungs erwarten. Dabei war dieses Jahr der dritte Platz bei der Club-WM schon ein echter Gradmesser für die anderen deutschen Teams.
Die deutschen Friedfischer wünschen sich mehr davon.

Übrigens: Fangplatz.de arbeitet intensiv an einem Film über den Anglertreff 2005. Das Rohmaterial zeigt jetzt schon, dass der Film viele Angeltechniken der Teilnehmer detailliert dokumentieren wird. Natürlich haben wir auch Michael Schlögl, den erfolgreichsten Club-WM-Einzelangler Michael Diener oder den Browning Champions Trophy Sieger 2005, Günther Horler auf die Finger geschaut.
Sobald die DVD fertig ist, gibt es einen fangplatz-Vorbericht. Also schon mal vormerken. ;-)