Der richtige Bissanzeiger

In diesem Teil unserer kleinen Serie für Neueinsteiger im Karpfenangeln stellen wir euch die verschiedenen Bissanzeigertypen vor und erklären euch, für welche Situationen ihr welchen Bissanzeiger braucht und was genau eigentlich beim Biss passiert.

Ihr werdet schnell sehen, dass der scheinbar unüberschaubare Markt von blinkenden und piependen Boxen mit ein wenig Know-How schnell überschaubar wird.

Was muss mein Bissanzeiger eigentlich anzeigen?

Eine offensichtlich banale Frage wird sich jetzt der ein oder andere denken... natürlich dass der Karpfen meinen Köder genommen hat!

Soweit richtig, aber wie sieht das genau unter Wasser aus wenn der Karpfen genüsslich unseren Boilie oder die Partikel einschlürft und sich letztendlich selbst hakt?

Da wir mit einer Selbsthakmontage angeln, auf die wir im nächsten Teil genau eingehen werden, hakt sich der Karpfen durch das Bleigewicht beim ansaugen des Köders selbst und reagiert auf den plötzlichen Widerstand des Bleis mit einer Fluchtreaktion. Jetzt hängt der Bissanzeige von der Fluchtrichtung des Karpfens in Relation zu euren Ruten ab. Geangelt wird die Selbsthakmethode mit gespannter Schnur. Ihr bekommt also jede Bewegung des schweren Bleis mit.

Der Run

Schwimmt der Karpfen nun von eurer Rute weg, zieht er die Schnur von eurer Rolle. Meist passiert dies mit einer hohen Geschwindigkeit und ist eine der Sternstunden für die jeder Karpfenangler lebt. Hierbei spricht man von einem Run (dt. Rennen). Der Bissanzeiger signalisiert dies mit einem langen Dauerton.

Da die Rollenbremse entsprechend weit geöffnet ist, kann der Fisch Schnur nehmen. Allerdings sollte er dies nur unter leichtem Kraftaufwand können, denn wenn die Bremse zu leicht eingestelltist, kann sich die Spule überschlagen (schneller drehen als Schnur abläuft) und der Drill endet unweigerlich in einem großen Schnurknäul.

Der Fallbiss

Wenn der Karpfen allerdings in seiner ersten Flucht auf eure Rute zuschwimmt, erschlafft die gespannte Schnur. Dies ist ein sogenannter Fallbiss oder auch Backdrop genannt. Er entsteht auch, wenn der Karpfen das Blei einfach anhebt.

Oft verursachen auch Brassen, die sich ärgerlicher Weise am Karpfenköder vergreifen, langsame Fallbisse, da es ihnen kaum gelingt das Blei zu bewegen.

Sonderfall: Der Take

Ähnlich dem Run schwimmt der Karpfen beim Take (dt. Nehmen) von der Rute weg. Allerdings mit einer sehr langsamen Geschwindigkeit. Der Bissanzeiger meldet nur kuze Pieper, obwohl der Karpfen richtig gehakt wurde. Takes sind nicht die Regel und meist Gewässer- oder Tagesform-abhängig (vorsichtige Fische). Oft werden Takes aber auch von Brassen oder Graskarpfen hervorgerufen. Letztere merken durch ihr hartes Maul die Bedrohung des Hakens nicht und bleiben auf dem Futterplatz stehen. Bei vermehrt vorkommenden Takes kann es allerdings auch sein, dass eure Montage nicht richtig funktioniert.

Generell gilt bei Takes wie auch bei jedem anderen Biss auf eine Selbsthakmontage: Sofort anschlagen!

Es gilt nun also 3 verschiedene Bisstypen abzudecken, damit kein Biss versäumt wird und sich der Karpfen nicht in ein Hindernis verdrücken kann.

Wir müssen also mitbekommen, wenn an der Schnur gezogen wird, die gespannte erschlafft oder nur an ihr gezupft wird.

Der elektronische Bissanzeiger

Ein elektronischer Bissanzeiger wird eingesetzt, um jegliche Bewegung der Schnur nach vorne oder zurück anzuzeigen. Die gespannte Schnur läuft über ein Rad, welches Magneten enthält. Im Gehäuse befinden sich Sensoren, die jede Bewegung der Magneten registrieren und als Signal weiterleiten.

Der Biss wird über Leuchtdioden und einen Lautsprecher gemeldet. Solange sich das Rad bewegt ertönt auch das Tonsignal. Die Diode leuchtet auch noch nach dem Stoppen des Rades nach, damit der Angler erkennt, an welcher Rute etwas passiert ist. So müsst ihr nicht jede Sekunde auf eure Ruten schauen, was bei einem längeren Ansitz und in der Nacht einfach unmöglich ist.

Was sollte der Bissanzeiger können?

Die wichtigste Eigenschaft sollte die Resistenz gegen Wasser sein. Der teuerste Bissanzeiger mit den besten Features nützt euch nichts, wenn er keinen Regen aushält. Desweiteren sollte er einen geringen Batterieverbrauch haben, damit ihr euch immer auf ihn verlassen könnt. Die Lautstärkenverstellung ist mittlwerweile Standard und eine nützliche Einstellung, damit nicht jeder am See mitkriegt, wenn ihr etwas fangt. Es gibt leider immer noch einige uneinsichtige Angler, die es nicht für nötig halten, ihre Pieper auf eine entsprechend geringe Lautstärke einzustellen. Die Verstellbarkeit der Tonhöhe ist zwar weniger wichtig aber mittlerweile auch ein Standard.

Die Einstellung werden entweder an Drehrädchen oder mit digitalen Knöpfchen vorgenommen. Die Entscheidung dazwischen wird aber allein von Preis und Geschmack gefällt.

Ein Bissanzeiger für Einsteiger muss eigentlich nur zuverlässig sein. Alles andere sind Spielereien, die durchaus Sinn machen, aber nicht zwingend gebraucht werden

Weitere nützliche Features

Die Industrie hat noch eine ganze Palette an weiteren komfortablen aber nicht zwingend notwendigen Features parat, die einem das Angeln erleichtern. Hier die wichtigsten:

  • Sensibilitätseinstellung: Hier könnt ihr entscheiden, ab wieviel cm Schnurabzug euer Bissanzeiger piepen soll. Besonders praktisch an Fließgewässern.

  • Backdrop-Anzeige: Der Bissanzeiger meldet Fallbisse mit einem anderen Tonsignal.

  • Sounderbox-Ausgang: Ihr könnt einen seperaten Lautsprecher per Kabel an bis zu 4 Bissanzeiger anschließen und in euer Zelt legen. So könnt eure Bissanzeiger leiser stellen und kriegt die Bisse trotzdem mit.

  • Funk-Sounderbox: Das gleiche System nur ohne Kabel. Anfänger sei aber von diesen Systemen abzuraten, da die günstig angebotenen Sets schlichtweg nichts taugen!

Der mechanische Bissanzeiger

Der mechanische Bissanzeiger hat beim Karpfenangeln zwei Funktionen. Einerseits strafft er die Schnur bis zum Blei durch sein Gewicht und anderseits zieht der beim Fallbiss die schlaffe Schnur durch den Bissanzeiger, da der Angler diesen sonst nicht mitbekommen würde.

Primär muss ein mechanischer Bissanzeiger also Gewicht auf die Schnur bringen. Hierfür gibt es zwei Typen von Bissanzeiger:

Der Hänger

Er ist der einfachere von beiden und besteht aus einem mit Blei beschwerten auffälligen Körper, der mittels einer Schnur oder Kette unter dem eletronischen Bissanzeiger befestigt wird. Der Körper wird frei schwebend auf der Hauptschnur zwischen Rolle und elektronischem Bissanzeiger eingeklippt und zieht diese herunter.

Bei manchen Modelle können die Bleigewichte ausgetauscht werden, um auf die jeweilige Situation reagieren zu können. Vorteile von Hängern sind ihr geringer Preis und ihre Robustheit. Nachteile sind ihr relativ unflexibler Einsatz durch das feste Gewicht und ihre Windanfälligkeit.


Tipp: Zu leichte Hänger kann man mit einem Birnenblei und Karabiner an andere Verhältnisse anpassen .

Der Swinger

Swinger bestehen ebenfalls aus einem auffälligem Körper, der zwischen Rolle und Bissanzeiger auf die Hauptschnur geklippt wird. Sie sind allerdings mittels eine Stange an einem Scharnier unter dem elektronischem Bissanzeiger befestigt. Auf der Stange kann ein Bleigewicht frei verschoben werden, um die Schnurspannung stufenlos einzustellen. Ferne besitzen viele Modelle eine Feder im Scharnier, mit der weiterer Druck auf die Schnur erzeugt werden kann. Sie sind von der Einstellung wesentlich flexibler als Hänger und werden auf sämtlichen Distanzen eingesetzt. Der Nachteil ist sicherlich ihr hoher Preis.

Fazit:

Für den Einstieg in das moderne Karpfenangeln braucht ihr einmal einen robusten und zuverlässigen elektronischen Bissanzeiger. Weitere Features sind Spielereien. Das gesparte Geld solltet ihr lieber in hochwertige Köder und Montagen investieren. Eure Abhakmatte wird es euch danken ;-)

Desweiteren braucht ihr einen manuellen Bissanzeiger, der die Schnur spannt und dadurch Fallbisse anzeigt. Für welches Modell ihr euch für den Anfang entscheidet bleibt euch überlassen. Beide Modelle besitzen Vor- und Nachteile. Sparfüchse sollten zu Hängern greifen. Letztendlich bleibt der Swinger allerdings erste Wahl. Einziger Nachteil ist der höhere Preis.