Wallerangeln am Po in Italien – ein Erfahrungsbericht - FREI

Mittlerweile ist ja jede Zeitschrift mit einem „neusten Rekordwaller“ aus dem Po dekoriert. Natürlich ist es sicher ein erhabenes Gefühl, solche Monster zu bändigen, allerdings genügt es uns schon, einfach einen schönen Fisch zu fangen. Eigentlich wollten wir ja längst an unserer heimischen Weser in Sachen Waller aktiv geworden sein. Wir haben viele Stellen beobachtet und so manche interessante Strömungskante in unserem Notizbuch notiert. Google-Maps kennen wir in bestimmten Bereichen schon auswendig, allerdings hielt uns der lang anhaltende Winter ab, hier aktiv zu werden.

Da kam das Angebot, im März ein „Waller-Trainingslager“ am Po aufzuschlagen gerade richtig. Wir drehten der Weser also kurzzeitig den Rücken zu und machten uns auf den Weg...

Vorbereitung ist das halbe Leben

Egal welche Lebenslage man nimmt, wer sich gut auf alles vorbereitet kommt mit unvorhergesehenen Situationen besser zurecht. Daher planten wir den Trip schon in Bielefeld akribisch. Es spielte nicht nur die Angelausrüstung eine entscheidende Rolle, sondern auch unser Erste-Hilfe-Set. Denn eines muss man sich doch im Klaren sein: In Italien ticken auf dem Land die Uhren etwas anders als bei uns. Daher sollte man für die nötigsten Eventualitäten (Haken im Finger, Kopfschmerzen, Durchfall) gerüstet sein. Wir empfehl

  • Erste Hilfe Kasten

  • Bolzenschneider für den eingerammten Haken in der Hand

  • Rettungswesten für die Bootstouren

Doch nun genug mit der Schwarzseherei, wir möchten ja hauptsächlich zum Angeln fahren und dafür können wir schon viel in der Heimat vorbereiten, so dass wir in Italien Zeit sparen können, die wir dann zum Angeln mehr zur Verfügung haben.

Google-Maps macht einen klüger!

Was in Deutschland funktioniert, klappt im Ausland meist noch besser, denn dort gibt es bei Google Maps schon den bei uns so umstrittenen Google-Dienst "Street-View". Dabei bekommt man aus der Autoperspektive einen vorzüglichen Eindruck vom angepeilten Angelziel.

Der Eindruck ist aber die eine Seite, die andere ist das Ausfindigmachen der richtigen Angelstellen. Denn der Po ist groß und breit, hat viele Sandbänke sowie Strömungsverläufe und die vielen Zuflüsse machen die Platzsuche nicht gerade einfacher. Dennoch sind die Anzahl der Angelstellen irgendwann überschaubar. Natürlich kann man sich in einschlägigen Foren über Angelplätze informieren und sich auf die Betreiber der Waller-Camps verlassen. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass man mit „Selbst ist der Mann“ oft besser (und preisgünstiger) fährt. ;-)

Wir hatten also via Google-Earth unseren Po-Abschnitt schon genau ausgekundschaftet, so dass wir dann mit dem Boot und dem Echolot schon die ausgesuchten Stellen gezielt anfahren konnten. Hier sparte uns die Vorarbeit richtig Zeit in Italien, die wir länger angeln konnten.

Knackpunkt Boot und Camp

Egal wie gut man sich vorbereitet, am Ende muss ein Boot und ein Camp her. Auch davon gibt es am Po einige namhafte Anlaufstellen. Wir entschieden uns für das Wels-Camp am Po in Revere . Nicht weil dort gerade der Rekordfisch für den Blinker abgelichtet wurde, sondern weil uns Andy Weyel von Shimano Deutschland diese Adresse auf einer Messe nannte. Trotzdem solltet ihr im Vorfeld bei eurer Bootsbestellung unbedingt darauf drängen, dass das gemietete Boot zum Anreisetag wirklich bereit steht. Denn sonst wird „Bereitstellen“ etwas weitläufig interpretiert – auch bei deutschen Vermietern!

Für die Übernachtungen hatten wir uns außerhalb eines Camps positioniert. Uns erschien der Komfort außerhalb genauso gut zu sein wie in einem dieser Camps. Sicher ist es Geschmackssache. Wir sind mit unserer Entscheidung extrem gut gefahren, weil wir Glück mit unserer Angelstelle hatten und weil wir auch etwas Geld sparen konnten.

Neben ein paar Würfen mit unseren Kunstködern nutzten wir die zeit, um kurz das Material zusammen zu tragen was wir zum Angeln am Po mitgenommen hatten. Denn was nutzt die schönste Angel-Tour, wenn nicht das richtige Material mit an Board ist...

Vorbereitungen zum Angeln

  • Rute und Rolle
    Das Wallerangeln am Po ist schon eine ganz andere Dimension als in unseren Gewässern. Hier geht es mit richtig kräftigem Material zur Sache. Wir hatten Ruten von 300-500 Gr. Wurfgewicht mit dabei (Shimano BeastMaster Super Cat) und waren am Ende froh, solche Besenstiele dabei gehabt zu haben.
    Sie wurden mit Shimano BIG Baitrunner-Rollen LC mit Long Cast Freilaufrollen bestückt, die mit geflochtener 0,46mm PowerPro Schnur mit 55 kg Tragkraft ausgestattet waren.
    Neben den Hauptruten solltet ihr auch ein wenig Ersatzmaterial mit haben, denn es kann hier immer etwas zu Bruch gehen oder von einem Waller in der Nacht einfach „mitgenommen worden sein“.

  • Material
    Abreißschnur mit einer Tragkraft von 8-12 Kg mit der die Montage gespannt werden
    Vorfachschnur 0,75mm bis 1,00 mm
    Unterwasserposen 60-200 Gr.
    Leitner Teflonhaken Größe 4,0 und Drillinge der Größe 01 und 02
    Silikonstopper für die dicke Schnur sowie Silikonschläuche zum verdecken der Haken vor den feinen Metalldetektoren der Waller.
    Stabile Dreibeinrutenständer oder Rohre, in die die Ruten eingestellt werden können (s. Bilder)
    Eine Abhakmatte für die schonende Behandlung der gefangenen Fische
    Eine lange Lösezange, sonst kapituliert ihr vor dem im Maul fest sitzenden Haken!
    Einige Zwiebelsäcke, in die ihr sehr gut eure Beschwerungen für die Abreißmontage einpacken könnt. Das Entfernen von Steinen von der Uferböschung wird übrigens nicht gerne gesehen und das Bojenfischen ist sogar verboten, wobei die Italiener immer ein Auge zudrücken. Aber man sollte es dennoch nicht übertreiben. Spätestens wenn der Schiffsverkehr behindert wird öffnen die Italiener auch ihr zweites Auge und man muss ja nicht mit farbigen Bojen zu Werke gehen – Tarnung ist das halbe Leben...

  • Lizenzen und andere Preise
    Die Verpflegungssituation ist in Italien genauso wie in Deutschland. Teilweise gibt es dort auch dieselben Supermärkte. Wer also Lidl, Aldi und Co (be)sucht, wird hier schnell viele seiner gewohnten Produkte wiederfinden.
    Bei der Angellizenz haben wir einen enorm großen Preisunterschied festgestellt. Weshalb der jetzt genau besteht, können wir nicht sagen. Bei uns schwankte er von Wallercamp zu Wallercamp (werden hier verkauft) und liegt zwischen 15 EUR und 66 EUR (!!!).

  • Köderfische sind immer ein Thema
    Italien ist eigentlich ein absolutes Weißfischland. Man muss wirklich keine Köderfische an den bekannten Stellen für 3 EUR pro Stück kaufen. Die lassen sich am Tag spielend mit der Feeder-Rute fangen. Packt sie also mit ein und vergesst nicht, das Futter ebenfalls mitzunehmen. Denn 10-20 Köderfische pro Nacht gehen durch . Schneller habt ihr eure neue Feeder-Rute mit Rolle wirklich nicht verdient!

Die Fahrt kann beginnen!

Als wir am frühen Abend die Boote hatten, führen wir noch unsere via Google-Maps ausspionierten Stellen ab, um unsere Eindrücke mit dem aktuellen Wasserspiegel abzustimmen.

Schon die ersten Wassermeter mit dem Boot ließen uns vermuten, dass richtig viel Wasser den Fluss hinab strömte. Wir hatten sofort einen riesigen Respekt vor diesen riesigen Fluss, der etwas ganz anderes ist als unsere Weser. Schnell wurde klar, dass wir uns eher nach ruhigen Abschnitten umsehen sollten. Aber auch hierzu hatten wir Vorbereitungen getroffen.

Fortsetzung folgt...

Teil 2 mit noch mehr Praxis-Infos, Montage- und Strategie-Erklärungen, Fangberichten und Fangbildern folgt in Kürze. Habt einfach ein paar Tage Geduld... ;-)