Wallerangeln in Deutschland (Teil 3)

So, alles ist ausgelegt (s. Teil 1 und Teil 2) und jetzt bin ich gespannt, wie weit sich Roland mit seiner Prognose aus dem Fenster gelegt hatte. Gibt es auch in diesem See diese im Untergrund lebende Fisch-Spezies?

So richtig glauben konnte ich es bisher nicht. Aber Roland erschien mir seiner Sache sehr sehr sicher zu sein. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, aber immer noch sehr skeptisch.

Schauen wir mal, wer am Ende recht behielt (das Bild zeigt es eigentlich schon)...

Die Nacht kann kommen!

So jetzt war alles fertig für die Nacht. Damit wir es gemütlich hatten, bauten wir noch einen ordentlichen Dome (großes Angelzelt) auf. Er ist für die Karpfen- und Wallerangler so wichtig wie für die Stipper ihre Kiepe oder ihre Plattform. Zugegeben, er ist zudem auch sehr gemütlich.

Langsam beobachteten wir, wie die Sonne am Horizont versank und langsam die kleinen Knicklichter, die wir an die Schwimmer angebracht hatten, auf dem Wasser sichtbar wurden. Nach 2 Stunden strahlten nur noch die kleinen Glimmstengel auf dem Wasser und es wurde sehr still...

Ich war immernoch von der ganzen Geschichte mehr als skeptisch. Waller in diesem Teich. Nie im Leben. Und schon fing ich an laut zu denken und mein Spott klang sicher aus meinen Gedanken heraus. Roland sagte am Ende nur: „Warte es nur ab, morgen früh wirst du ruhig sein. Ich sage dir, ab 0 Uhr wird es interessant.“

Naja, jetzt ist es 23:30 Uhr, dann werden wir uns ja in 30 Minuten im Großdrill befinden... Dachte ich mir und kramte den Schlafsack heraus, um es mir auf der Liege gemütlich zu machen. Natürlich hatte ich nebenher meine Zanderruten mit kleinen 50-Gramm-Köderfische fertig gemacht, damit ich eventuell „wenigstens“ einen Stachelritter aus der Nacht mit nehmen könnte.

Der Schreck in der Abendstunde

Kaum lag ich im Schlafsack, da knallte auch schon einer meiner Zanderbissanzeiger los. „Ah, bei mir lief es also.“ Ich schoss schnell zu meinen Ruten und auf der rechten Rolle sah ich, wie kontinuierlich die Schnur ablief. nach 15 Metern blieb sie dann stehen, um kurze Zeit später wieder los zu laufen. Der ideale Zeitpunkt für einen Anschlag! Natürlich handelte ich, aber schon das erste Gefühl zeigte mir, dass meine Angelmontage und der Fisch am anderen Ende nicht zusammen passten. Ich spürte nämlich nur den Köderfisch. Als ich ihn dann wieder am Land hatte, sah ich die Bescherung. Zwei kleine Knipserzähnchen durchbohrten das Fischchen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Räuber, der meinen Köder nahm, noch ein paar Sommer wachsen muss um richtig groß zu werden. Ich war froh, dass er keine Bekanntschaft mit den Haken gemacht hatte und so verschont wurde. Zander reagieren ja bekanntlich auf Hakenbekanntschaften sehr sensibel.

Ich warf den Köder wieder neu aus und verkroch mich erneut in meinen Schlafsack. So war ich auch besseren vor den kleinen fliegenen Plagegeistern geschützt. Wenn die Fische heute so beißlustig wie die Mücken wären, kämen wir sicher nicht zur Ruhe.

Eine ruhige Nacht bis...

Kaum hatte ich es mir gemütlich gemacht, fing ich wieder an zu stochern: „Na, was machen die Waller heute? Haben sie Wandertag und kommen sie gleich über das Feld in diesen See gewandert?“ frotzelte ich rum. Roland reichte mir stumm nur die letzte Bratwurst vom Grill um mir mein Mundwerk zu stopfen. „Hier iss erst mal, damit du irgend wann auch mal groß und stark wirst...“

Das Angebot nahm ich an. Nach der Wurst wurde ich dann etwas müde und dämmerte vor mich hin. Irgendwann, es wurde schon langsam hell, bekam ich einen Stoß ins Kreuz. „Hey, Schluss mit Pennen! Da rechts tut sich etwas.“ informierte mich Roland „Ja, ja... der große schwarze Waller kommt“ murmelte ich im Halbschlaf. Danach riss mich ein wahnsinniger Piepton aus allen Träumen. Roland stand schon an seinen Ruten und ich glaubte meinen Augen nicht, wie ich die riesen Pose durchs Wasser schießen sah. Ganze 150 Gramm wurden dort durch die Wellen bewegt und die Reißleine war längst gerissen. Unglaublich, was sich da draußen abspielte. So etwas kannte ich nur davon, wenn ein Schwan sich in meiner Schnur verfangen hatte.

Hier war es aber wohl ein Fisch. Jetzt schritt Roland zur Tat: „Dann wollen wir mal sehen, ob es hier Waller gibt oder nicht!“ Er nahm die Rute und setzte den Anschlag. Wow, jetzt konnte man aber sehen wie sich ein Besenstiel biegen kann. Und man konnte sehen, wie sich ein Mann auch beim Süßwasserfischen mit ordentlicher Kraft gegen das Gewicht eines Riesen stemmte. Die Bremse knarrte und Roland versuchte mit aller Kraft, das Tier von den Wasserpflanzenfeld fern zu halten. Es gelang ihm nach einigen Problemen. „Du musst den Fischen gleich zu Beginn richtig Paroli bieten, sonst machen sie mit dir was sie wollen“ erklärt er mir nebenbei. Ich war jetzt schon beeindruckt. So ein Fisch in meinem friedlichen Baggersee. Nach 10 Minuten hatte Roland das Tier dann soweit, dass es sich mal an

der Oberfläche zeigte. Im Dämmerlicht sah man nur Umrisse, aber das was ich hörte, ließ mich Böses erahnen. Das hörte sich an, als wenn ein Mensch beim Planschen ist. Ich stand regungslos da und bewunderte wie die beim Platschen entstanden Wellen jetzt ans Ufer plätscherten. Kurze Zeit später kam ein verdammt dicker Kopf vor unseren Füßen zum Vorschein, der von vielen langen Barteln gesäumt war. Roland gab mir die Rute und griff mit einem beherzten Griff in sein Maul, um danach den Fisch an Land zu ziehen. Das triumphierende Lächeln brauche ich euch sicher nicht beschreiben. Da lag er nun. der Waller , den es hier eigentlich nicht gab. 1,63 m lang und voll gefressen wie eine gestopfte Gans. „Wieder ein Walli von dem keiner etwas wusste.“

Längst hatte ich schon die Kamera parat, um alles fest zu halten. Während ich fotografierte kam ein Frühaufsteher mit seinem Pudel vorbei. Als er den Fisch sah, fragte er ganz entsetzt. „Schwimmt so etwas hier im See rum!“ selbstverständlich antwortete ich „Und die werden sogar noch größer!“ ergänzte ich meine Ausführungen wie selbstverständlich. Hatte ich je daran gezweifelt, dass hier solche Fische gibt? Nie und nimmer! ;-)

Der Spaziergänger suchte daraufhin ganz hastig seinen Hund und sagte zu ihm „Moritz, du gehst hier nicht mehr ins Wasser!“ und verschwand sichtlich irritiert von der Bildfläche.

Sie sind also unter uns, die dicken Bartelträger. Auch in Gewässern, in denen man sie nicht vermutet. Man muss nur die Methoden kennen, wie man sie fängt. Roland wird euch mit Fangplatz.de dabei behilflich sein. ;-)

Euer Roland und schummi