Laacher See - Tanz auf dem Vulkan

Das am Laacher See gelegene Kloster „Maria Laach“ ist bei gläubigen Katholiken eine Wallfahrts-Stätte. Von den Anglern wird der See nicht so aktiv besucht, obwohl er einen guten Fischbestand hat - und dazu eine bewegte und gefährliche Geschichte. Wir wagten den Tanz auf dem Vulkan...

Der Laacher See liegt in der Eifel und ist einer der größten Maare in Deutschland. Im Grunde handelt es sich um einen schlummernden Vulkankrater, der in der Zukunft sicher wieder Feuer und Asche spucken wird. Zur Zeit befindet er sich nur in einem „Schönheitsschlaf“, wobei der Untergrund aber weiterhin aktiv ist. Das zeigen immer wieder kleine Blasen, die sich ihren Weg an die Oberfläche bahnen. Nicht selten kann man auch einen leichten schwefligen Geruch wahrnehmen.

Die Fernsehfans unter euch kennen diesen See, denn SAT1 stellte vor einige Zeit in einem Fernsehfilm ein Vulkanausbruch-Szenario vor, in dem genau dieser Laacher See binnen von Tagen zu einem Riesenvulkan mutierte.

Wir haben den schlummernden Vulkan besucht, es dort aber auf andere Riesen abgesehen, denn wir wollten mit Wobblern Hechte fangen.

Boot ist Pflicht!

Wer am Laacher See fischen möchte muss das vom Boot aus machen. Da das Ufer von steilen Kraterwänden und undurchdringlichen Schilf-Felden umgeben ist, würde eine Ufertour auch kaum sinnvoll sein.

Wir trafen uns daher mit den beiden Lokalmatadoren Alex Cruze und Philipp Magnier direkt am See. Sie kennen den See wie ihre Westentasche und fangen selbst dann noch Fische, wenn andere als Schneider längst schon aufgeben. „Der See ist extrem tückisch“ beschreibt mir Alex seine Erfahrungen. „Die Fische stehen immer an anderen Stellen und man muss sie suchen, was viel Ruderarbeit bedeutet“. Das ist für den kräftig gebauten Alex aber überhaupt kein Problem. Wie eine Maschine graben sich seine Ruder Schlag für Schlag durch das Wasser. Wir überquerten zunächst den See und ruderten dabei direkt am Schongebiet vorbei, welches durch Tonnen gekennzeichnet ist. Auch hier hält der See ein Geheimnis für uns bereit. „Hier ist im 2. Weltkrieg ein Bomber abgestürzt“ erklärt mir Alex im Vorbeifahren, „Man vermutet am Grund in ca. 30 Metern auch noch Bomben“. Also ist der See mindestens mit zweierlei Dingen eine richtig explosive Geschichte...

Der erste Halt

Nach 20 Minuten haben wir den See einmal überquert. Die erste Schilfkante mit einer bekrauteten Flachzone liegt vor uns. „Hier gibt es eigentlich immer Hechte“ erklärt mir Philipp, der gerade seine japanischen Kunstwobbler ummontiert. Genau in diesem Moment setzt ein gewaltiger Regenschauer ein und dicke Wolken ziehen in das Seetal und setzen sich über uns fest. Es sollte ein verdammt regenreicher Angeltag werden.
Philipp erklärt mir noch, dass man hier mit dem Wobbler möglichst kurz über dem Kraut unter der Wasseroberfläche fischen soll. „Die Hechte lauern im Kraut und schießen dann steil in die Höhe. Wir hatten hier schon spektakuläre Attacken bei denen die Fische beim Biss richtig aus dem Wasser sprangen“. Heute sprang aber nichts und beißen wollte hier auch kein „Monster-Räuber“. Doch plötzlich ist bei Philipp die Rute krumm. Ein 30cm „Hauki“, wie ich die Kleinen nenne, hatte sich in Philipps Riesenköder verbissen. Der erste Fisch war zumindest da.

Die Halbinsel

Nach 30 Minuten ruderten wir ein wenig weiter zu einer kleinen Halbinsel. An dieser Spitze können Barsche und der eine oder andere Hecht erwartet werden. Heute hatte sich hier der Schneider eingenistet und es tat sich leider nichts...

Ab zur Seerosenbucht

Gleich hinter der Halbinsel lag eine wunderschöne Seerosenbucht. Ein idealer Platz für Barsch-Schwärme und den einen oder anderen Hecht. Das Wasser ist extrem klar und wir sahen Karpfen und einen Schleien-Schwarm, wie er unser Boot passierte. Bei Alex wird der Wobbler von einem ordentlichen Barsch-Schwarm verfolgt. Der Anführer war ein prächtiger Stachelritter, der leider zu schlau für die Fisch-Imitation war. Kurz vor dem Boot dreht er ab und verschwand wieder in der Tiefe. So blieb leider auch diese Stelle unseren Erwartungen zurück.

Weiter zum Trümmerfeld

Gleich neben dem Campingplatz eröffnet sich ein riesiges Trümmerfeld mit steinigem Geröll. Hier wird es sehr flach und es gibt eine steil abfallende, fischreiche Kante. „Die ist ein optimaler Platz an sonnigen Tagen“ erklärt mir Philipp. „Die Hechte stehen im dunklen Schatten und warten auf Beute, die sie dann überfallartig attackieren. Die Bisse sind ein absoluter Hammer.“. Heute hämmert hier nur der Regen auf unsere total durchnässte Kleidung. Nun ja...

Der Segler-Hafen am Campingplatz

Sicher sind die Segler und der Campingplatz ein Grund, weshalb sich im Sommer nicht so viele Angler auf den See verirren. Die Fische kennen jedoch das muntere Treiben am See und haben sich damit arrangiert. Angler sollten das ebenso machen, denn es lohnt sich! Wir steuerten direkt den Hafen an und versuchten unter den Booten und Anlegebojen unser Glück. Und tatsächlich! Diese Stelle wird heute unser erfolgreichster Spot. Philipp kann einen immerhin 60cm langen Esox erbeuten. „Das ist sicher mit einer der kleinsten Hechte, die ich an dieser Stelle je gefangen habe“ entschuldigte er sich fast für den Fisch. Aber andere Angler hätten heute sicher nichts gefangen. Die beiden haben die Fische, die aktiv waren, gefunden und konnten zumindest zwei überlisten. Nicht jeder Tag ist ein Fangtag und schon gar nicht wenn das Luftdruckbarometer so gnadenlos während des Angeltages abstürzt wie heute.

Schöne Grünkante bis zum Anleger

Vom Seglerhafen ging es dann langsam wieder zurück zum Anleger. Auf dieser Strecke können beliebig viele Stopps eingelegt werden. Denn an der bekrauteten Kante ist immer etwas zu holen. Wir haben viel Barsch-Nachläufer mit tollen Zeichnungen. Leider wollte keiner so recht reinhauen. Wir hätten es vertikal mit Gummi probieren sollen. Aber wir waren ja zum Wobblern da. Beim nächsten Mal werden wir es probieren.

Bei Philipp kam kurz vor dem Boot noch ein richtig spektakulärer Hecht an die Oberfläche. Aber auch der winkte uns nur mit einem großen Platschen mit der Schwanzflosse zu und ließ uns mit riesigen Augen zurück. Es hat nicht sollen sein.

Fazit:

Der Laacher See ist eine malerisch gelegene Angelmöglichkeit. Mit Boot und Ruderkraft ist hier mehr möglich als es der Ruf verspricht. Wir werden wiederkommen, denn trotz Regen und Beißflaute waren es tolle Stunden bei einem Tanz auf dem Vulkan.
Wir bleiben dran und Philipp hat auch schon einen Plan, wo wir die ganz dicken Räuber finden können. Probiert den See auch mal selbst aus. Mit etwas Geduld lohnt es sich auf jeden Fall.

Karten-Infos: Tageskarten und Bootsverleih-Möglichkeiten findet ihr unter:
www.fischerei-marialaach.de