Kunstköder, Teil 2: Tipps zum ersten Erkunden eines Sees Erkundung des Gewässergrundes

Nachdem wir im 1. Teil mit unseren optischen Möglichkeiten viel versprechende Angelstellen ausgesucht hatten, können wir jetzt unsere Ruten auspacken. „Ruten“ ist eigentlich übertrieben. Denn wir benötigen nur eine Spinnrute mittlerer Aktion mit 3000er Rolle mit 0.12er geflochtener (farbiger) Schnur, eine Angeltasche mit den Gummiködern (wir erkunden heute nur mit Gummiködern!) und unseren Unterfangkescher. Als Vorfach setzen wir ein Fluocarbon-Material mit einer Stärke von 0,30 mm ein. Es ist im Wasser nahezu unsichtbar und wir bekommen damit eigentlich jeden Barsch oder Zander gelandet. Gibt es viele Hechte, sollte man auf ein dünnes Stahlvorfach ausweichen.

Jetzt kann die Reise beginnen...

Auf Faulenzers Spur

Zu Beginn bietet sich der "No Action Shat" ideal für unser Vorhaben an. Er sinkt extrem schnell ab, besitzt am Schwanz keine Schaufel, so dass er nicht unsere Bodenabtastarbeit stört und kann dabei extrem sauber über den Grund geführt werden. Womit wir beim nächsten Thema angelangt sind: Dem Führen.

Hier setzen wir zunächst ganz stur auf die Faulenzermethode. Wir lassen den Köder nach dem Auswurf ungehindert absinken. Dabei zählen wir grob die Sekunden, um einen Eindruck von der Tiefe zu bekommen. Grob lässt sich sagen 1 Sekunde pro Tiefenmeter bei einem 10-12-Gramm Köder. Ist der Köder am Grund angekommen (die Schnur wird schlaff), halten wir die Rute und machen 1-3 ganz kurze Kurbelumdrehungen und lassen den Köder wieder langsam absinken. Hier dürft ihr nie den direkten Rutenkontakt zum Köder verlieren! Denn in dieser Phase kommen die Bisse, die ihr mit einem beherzten Anhieb quittieren müsst. Nicht selten sind die Bisse so vorsichtig, dass ihr euch wirklich konzentrieren müsst. Verschlaft ihr sie, ist der Fisch wieder weg. Liegt der Köder wieder am Grund legt ihr eine Pause von 1-2 Sekunden ein und wiederholt das Spiel von vorne. Das machen wir solange, bis wir den Köder am Ende wieder komplett eingeholt haben.

Während dieser Einholbewegungen bekommen wir ein "Feedback" vom Köder. Dieses Feedback gibt uns Rückschlüsse von der Bodenbeschaffenheit:

Kiesiger bis sandiger Untergrund:

Der Köder schlägt recht hart auf den Grund auf. Das merkt ihr in der Rute! Außerdem verspürt ihr während der Einkurbelphase kräftige, regelmäßige Schläge in der Rutenspitze. Viele sprechen auch davon, dass sich diese Schläge wie Bisse anfühlen.

  • Passende Köder:
    Hier seid ihr mit einem No-Action-Shad genau richtig. Die Chancen auf einen Biss sind extrem gut!
    Wenn ihr die Köder-Reize durch eine zusätzliche Druckwelle verstärken möchtet, dann könnt ihr auch mal auf einen "Kopyto" umrüsten. Er wird dann genauso geführt wie der "No-Action-Shad", wobei er mehr "Action" unter Wasser macht. Die dicke Schwanz-Schaufel sorgt dann für die Druckwellen unter Wasser. Aber Vorsicht! Nicht immer sind Druckwellen auch erfolgreich. Hier kommt es auf die Tagesform der Fische an.

Schlammiger Untergrund:

Werft ihr euren No-Action-Shad aus, dann trifft er sehr weich auf dem Untergrund auf. In der Einkurbel-Phase habt ihr einen dauerhaft starken Widerstand. Außerdem ruckeltes immer leicht in der Rutenspitze. Das ist das Zeichen dafür, dass euer Köder irgendwo einsinkt. Oft holt ihr auch einwenig Treibgut mit an die Oberfläche.

  • Passender Köder:
    In solchen Situationen müsst ihr den Köder wechseln! Die Köder müssen leichter werden und ihr müsst schauen, dass ihr in unterschiedlichen Tiefen über dem Schlamm fischt. Ihr wisst ja, wie lange eure Köder bis zum Grund absinken, weil ihr ja immer mitzählt. Lasst sie nach dem Auswurf einfach mal die Hälfte der Zeit absinken und holt sie unter gleichmäßiger Kurbelgeschwindigkeit (aber langsam) und mit leichtem Rutenrucken ein.
    In solchen Situationen können auch voluminösere Köder eingesetzt werden, die langsamer absinken. Hier fällt wieder die Wahl auf einen Kopyto oder einem "Big Hammer". Die Druckwellenerzeugung durch die wuchtigen Schwanzschaufeln macht hier also immer Sinn.

Krautiger Untergrund:

Bei krautigem Untergrund sinkt euer No-Action-Shad am Ende der Sinkphase etwas unregelmäßig und fällt sehr weich. Beim Einkurbeln habt ihr unverhofft einen plötzlichen gleichmäßigen Gegenzug oder ein Ruckeln in der Rutenspitze, welches dann plötzlich nachlässt. Meist zieht ihr bei Kraut auch schon das eine oder andere Bündel mit an die Oberfläche.

  • Passender Köder:
    Diese Plätze sind richtige Herausforderungen, denn jetzt müsst ihr über dem Kraut angeln. Hierzu hilft euch wieder die Zähl-Technik, die oben beschrieben wurde. Von den ersten Würfen wisst ihr ja wie viel Zeit der Köder für die Sinkphase benötigt. Beim nächsten Würfen zählt ihr nicht so lange bis zum Beginn des Einholens und beim darauf folgenden Wurf zählt ihr noch etwas kürzer bis ihr den Köder wieder einholt. Auf diese Weise sucht ihr unterschiedliche Wassertiefen über dem Kraut nach Fischen ab. Diese Bereiche sind übrigens auch besonders fängig. Die Mühe lohnt sich also.

    Sehr gute Köder sind für diese Situationen der Soft-Jerk. Er kann auch per Faulenzermethode am Grund direkt durchs Kraut gezogen werden, weil sein Haken extrem gut geschützt ist und sich nur sehr schwer im Kraut verhaken kann.

Der Barschberg oder die Insel:

Solltet ihr auf einen Barschberg treffen, den ihr mit eurem No-Action-Shad überworfen habt, dann wird die Einkurbelphase plötzlich extrem schwer woraufhin der Köder plötzlich (je nach Höhe des Barschberges) extrem leicht wird und wieder absinkt. Diese Erhebung sind echte Fischburgen! Meist findet man hier steinigen oder sandigen Untergrund vor und je nach Höhe gesellt sich auch noch eine Krautbank oder Süßwassermuschelbank hinzu. Diese Bereich sollte man richtig beackern.

Nur eins gibt es zu beachten: Im Sommer immer die Schattenseite des Berges beangeln! Denn da verstecken sich die großen Räuber. Im Winter darf es auch mal die Sonnenseite sein, denn dann ist hier die Wassertemperatur etwas höher als im restlichen See.

  • Ppassende Köder
    Der No-Action-Shad macht schon mal den Anfang. Man kann aber hier auch durchaus mal voluminösere Köder einsetzen. Der Kupyto oder der Big Hammer sind ebenfalls gefragt wie der Soft-Jerk. An solchen Angelstellen könnt ihr euer gesamtes Gummi-Sortiment auf die Fische los lassen.

Wir denken, wenn ihr die oberen Tipps befolgt, habt ihr binnen weniger Stunden einen Eindruck von eurem neu entdeckten Gewässer und könnt bei der nächsten Session schon viel gezielter ans Werk gehen. Und wer weiß, vielleicht liegt ja schon nach dem ersten Gang der eine oder andere unverhoffte Fisch schon in eurem Keschernetz.

Natürlich könnt ihr auch mit Smartcast Echolot oder Boot auf die Pirsch gehen. Aber mit all diesen Techniken entgeht euch ganz sicher der Fisch, den ihr beim Kennenlernen eines Gewässer sicher mehr fangt als andere, die die erste Erkundung mit dem Echolot machen. Und seid sicher, die Echolot-Erkunder haben sicher nicht mehr über das Gewässer heraus gefunden als ihr mit der Rute.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Ausprobieren.
Euer Ali und schummi