Hitzeschlacht auf Forellen – so kommen die Oberflächenfische in den Kescher.

Unter Deutschlands Forellenanglern gilt das feste Gesetz: »An heißen Sommertagen kann man tagsüber keine Forelle aus unseren Forellenseen überlisten«. Allerdings sehen die Italiener das ganz anders, denn sie fangen Forellen auch in der Hitze. Es ist also interessant, sich deren Angeltechniken an Hitzetagen anzusehen. Genau das haben wir gemacht und wollten es nun bei uns in Deutschland ausprobieren.

Wir haben Juli und die Sonne brennt endlich wieder vom Himmel und lässt die Temperaturen in südländische Dimensionen schnellen. In Deutschland eigentlich überhaupt kein Fangwetter für Forellen. Für das Team TFT und uns ein Grund, los zu ziehen und euch das Gegenteil zu zeigen. Die Italiener haben uns auf die richtige Fährte gebracht und wir geben unser Wissen gerne an euch weiter.

Wir haben uns schon früh am Morgen aus Ostwestfalen auf den Weg zur Angelanlage Millerscheid östlich von Bonn gemacht. Der Wetterbericht sagte einen heißen Sommertag voraus und schon der wolkenlose blaue Morgenhimmel versprach schnell ansteigende Tagestemperaturen. Um 8:00 Uhr waren wir an der Angelanlage verabredet. Als wir ankamen hatte der Betreiber Burkhard Sidon schon alles für einen guten Start hergerichtet. Es gab erst mal ein Frühstück. Wenn die Fische heute so einen Appetit an den Tag legten wie wir, dann konnte eigentlich nichts schief gehen.
Wir warteten bewusst, bis die Sonne etwas höher stand, denn wir wollten ja zeigen, wie es mit dem Forellenfang selbst in der Gluthitze klappen kann. Um 9:30 Uhr waren die idealen Startbedingungen! Die Sonne knallte schon recht ordentlich vom wolkenlosen Himmel, womit für unseren Hauptdarsteller Lars Lindemann der Startschuss fiel.

Ganz wichtig: Die Platzsuche!

Auch wenn ihr die frischesten Köder mit den besten Fangaussichten in der Tasche habt: Die Platzsuche gehört mit zu den entscheidendsten Momenten beim Forellenangeln. Auch an solch schwierigen Sonnentagen wie heute. Liegt ihr hier mit eurer Wahl falsch, dann könnt ihr die Sonnencreme auspacken und das Wetter genießen. Mehr wird sich dann nicht tun. Aber was sind die guten Plätze im Sommer?

Hierzu müssen wir uns emotional in die Welt der Forellen hinein versetzen. Sie lieben kühles Wasser und brauchen zudem Sauerstoff um sich wohl zu fühlen. Gerade der Wohlfühlgrad ist eng mit dem Verlangen nach Futter verbunden. »Wenn du Kreislaufprobleme hast, dann hast du auch keinen Kohldampf!« bringt Lars die Situation treffend auf den Punkt und schiebt sich noch schnell ein mit Zwiebeln bepacktes Mett-Brötchen zwischen seine Kiemen. »Er hat heute also keine Kreislaufprobleme« dachte ich mir und überlegte, wo gute Plätze auszumachen sind.

Zum Morgen kommen für mich immer Wassereinläufe in Betracht. Irgendwie ziehen sie die Regenbogenräuber magisch an. Im Tagesverlauf können Schattenplätze (z.B. von Bäumen) sehr spannend werden. Aber auch Seerosenblätter spenden wertvollen Schatten und sind zudem für die größeren Forellen ideale Stützpunkte, um einen kleinen Köder aus dem Dunkel des Schattens mit einer Attacke zu überraschen. Angelt ihr an einem See, der über eine tiefere Kante im Uferbereich verfügt, dann sind  an Hitzetagen die Angelplätze der Gewässerseite interessanter, an der ihr die Sonne im Rücken stehen habt. Denn auch so eine steil abfallende Uferkante erzeugt einen schönen Schatten. Sollte zudem der Wind im Rücken liegen, kann es bei der Platzwahl nicht mehr besser kommen.

Ihr seht, es gibt auch im Sommer viele fischverdächtige Stellen. Haltet aber auch die Augen offen nach sich durch Sprünge oder andere Aktivitäten verratende Forellenschwärme, denn sie geben euch die besten Tipps wo ihr sie fangen könnt. Dabei hilft euch übrigens besonders eine Polarisationsbrille, die die Jungs vom TFT-Team nicht als coolen Mode-Artikel tragen, sondern weil sie damit tiefer ins Wasser schauen können und so den einen oder anderen Fisch mehr ausmachen als ohne dieses Hilfsmittel oder nur mit einer einfachen Sonnenbrille.

Die richtige Angeltiefe

Sicherlich hat es der eine oder andere aufmerksame Leser schon bemerkt, dass wir im Sommer die Forellen eher in höheren Gewässerbereichen vermuten (gerade in kleineren Teichanlagen, wie der Angelanlage Millerscheid). »Höhere Bereiche« kann an Sommertagen »Oberfläche bis 1,5 m Tiefe bedeuten«. Außerdem sind die Fische sehr vorsichtig, wenn sie Nahrung aufnehmen. Daher fangen so viele Angler an Sommertagen nichts. Denn sie bekommen die Fische nicht mal an den Haken oder wenn ja, bekommen sie den Biss meist gar nicht mit, da die Forellen den Braten zu schnell riechen. Schneller noch, als sich ein fetter Propfen an der Wasseroberfläche bewegen könnte. Wer einmal im Aquarium beobachten konnte wie Fische eine vermeintliche Beute ganz vorsichtig »anblasen« können, um diese abzuchecken, der weiß wovon ich spreche…

Pilot, Maracas und das gewisse EXTRA

Wurde der passende Platz gefunden (ideal ist ein Platz der gleich mehrere Eigenschaften von oben erfüllt), muss das richtige Gerät für unser Vorhaben aufgebaut werden. Und genau hier schlagen jetzt die Kenntnisse unser italienischen Freunde zu! Anstatt eine einfach schwimmenden Bombarde, setzt Lars heute auf eine so genannte Maracas. Dabei handelt es sich um eine spezielle Bombarde, die im Innern das gewisse Extra in Form von kleinen Kügelchen enthält. Diese Kügelchen klappern bei der kleinsten Wasser- oder Rutenbewegung und so können wir die Forellen auf uns besser aufmerksam machen. Zwischen der auf der 0,18 mm starken Hauptschnur aufgezogenen Maracas und dem konischen Dreierwirbel, der die Verwicklungen vom sich rotierenden Köder verhindern wird, setzen wir einen großen Gummistopper. Er schützt die Maracas vor der Zerstörungswut des Stahlwirbels. An Letzteren binden wir an der anderen Seite ein mindestens 2 m langes und 0,1 6mm starkes Vorfach mit einem 12er Haken. Auf das Vorfach ziehen wir noch eine kleine Pilotkugel, deren Position während des Angelns variiert wird, um den Köder in unterschiedlichen Tiefen anzubieten.Außerdem signalisiert uns dieser sehr kleine Pilot die kleinste Aktion an unserem Köder, womit wir einen perfekten Bissanzeiger haben.

Also fassen wir kurz zusammen: Die Maracas sorgt für das Wurfgewicht und leichte, ideal auf die Sinneswahrnehmungen der Forellen abgestimmte Klappergeräusche. Der Pilot sorgt dafür, dass der Köder in der richtigen Oberflächentiefe angeboten wird und zeigt die kleinsten Zupfer an. Die Montageabbildung fasst alles noch mal grafisch zusammen.

Klappern gehört zum Geschäft!

Natürlich klappert so eine Maracas nicht immer von alleine. Hierzu benötigt es wieder ein wenig Aktion von außen. Aber das kennt ihr sicher auch schon von unseren anderen Tremarella-Artikeln. Denn auch hier kommt wieder eure Rutenaktion ins Spiel. Mit einer weichen Tremarella-Rute (z.B. 4 – 8 Gramm Wurfgewicht) bringt ihr die Rutenspitze zum Bibbern. Dabei ist die Schnur zur auf der Wasseroberfläche schwimmende Maracas gestrafft. So überträgt sich das Bibbern ideal auf unsere »Oberflächenrassel«, die jetzt genau das tut, was wir möchten: Sie macht Rabatz, was sehr oft bei den Forellen einen Jagdreflex auslöst.
Die Maracas rasseln aber auch passiv wenn Wellengang auf dem See ist. Dann wird das kleine »Ü-Ei« hin und her geschüttelt und das Innenleben natürlich ebenfalls. An solchen Tagen kann man etwas passiver mit der Rute arbeiten.

Ihr müsst aber nicht immer laufend euren Köder mit leichtem Rasseln einholen. Zwischendurch sind einige Pausen angesagt, in denen der Köder an einer Stelle verharrt und sich langsam bis zur vorgesehenen Maximaltiefe, die die Position des Piloten auf der Vorfachschnur vorgibt, absinkt. Nach einer Wartepause von 2 – 5 Minuten könnt ihr dann wieder ein paar Meter einholen, bis dann der Biss kommt.

Der passende Köder

Auch diese Angeltechnik funktioniert gerade im Sommer am besten mit Bienenmaden. Diese Forellen-Leckerei in der L-Form an den Haken angehängt und langsam mit der Tremarella-Technik eingeholt, rotiert schon bei langsamsten Einholgeschwindigkeiten derart verführerisch, dass ihr mit diesen Reizgewitter von Rassel der Maracas, Rotation des Köders und süßlichem Geschmack der Bienenmaden den optimalen Sommercocktail für Regenbogenforellen gemischt habt.

Ein heißer Tag mit Fang-Happyend

Wir waren mit unserer Oberflächentaktik mit Maracas-Rassel und Bienemaden erfolgreich. Als Köder stachen die Bienenmaden hervor. Allerdings haben die Forellen oft nur ganz vorsichtig den Schwanz der Bienenmade geklaut. Trotzdem konnten wir 4 schöne Forellen in 2 Stunden erbeuten. Ihr solltet aber auch mal einen Versuch mit Forellenteig wagen, denn auch die bunte Paste kann an dieser Montage zum absoluten Joker mutieren.

TFT-Teammitglied »Orle« war an diesem Sommertag übrigens mit seiner Amino-Trout-Rassel mit von der Partie und legte noch mal 3 Forellen zu unserem Fang hinzu. Das Ergebnis zeigt: Forellen mögen im Sommer das Rasseln an der Oberfläche und unser Räucherofen war am Abend gut gefüllt. Probiert es einfach mal aus und wir sind uns sicher, dass ihr eure »Hitzeschlacht« am Forellensee erfolgreicher gestalten werdet.

Euer Lars Lindemann und Schummi