Forellen-Taktik: Listige Großforellen auf die feine Tour

Wir lesen es immer wieder, dass Forellenseen so genannte Großforellen-Angeln veranstalten. Die Erwartung ist dann, dass man an diesem Tag nur große Forellen in den Seen erbeuten kann. Das ist aber mitnichten so. Es bedeutet meist, dass der See neben einem Normalbesatz zusätzlich einige Großforellen beinhaltet.

Diese einzelnen Riesen-Exemplare von zum Teil über 10 kg Gewicht hatten Shimano-Angler Andy Weyel und fangplatz.de sich als das Beuteziel im letzten Oktober beim Großforellenangeln im Angelpark Wagner gemacht.

Die Grundidee

Frei nach dem Motto „Durchschnitt kann jeder“ wollten Andy und ich eine der wenigen Großforellen in dem überschaubaren Angelsee überlisten. Wir ließen also alles, was normalerweise an Bombarde, Pose oder Bodenabtaster eingesetzt wird, beiseite und fischten mit einem System, was wir uns beim Shimano Product Camp in den Niederlanden mit anderen Journalisten ausgedacht hatten.

Feinstes Material vom Haken bis zur Rute

Weshalb sind die Großforellen so groß geworden? Genau! Weil sie „klüger“ und vorsichtiger als die anderen Forellen sind. Dem müssen wir bei unserer Montage Rechnung tragen. Also kam extrem sensibles Gerät zum Einsatz. Sensibel hieß für uns eine Shimano Rute mit der Bezeichnung Diaflash 237 uls mit einem Wurfgewicht von 0,8-8 Gr. (!!!) und einer Länge von 2,37m. Gerade diese kurze Länge der Spinnrute ermöglicht uns ein effektives Abfischen der Uferbereiche, da wir die Tremarella-Technik mit ihr auch bei nahen Köderdistanzen direkt am Wasser ausüben können. Bei 4,20m langen Ruten müssten wir uns weiter vom Wasser entfernt positionieren, was wir mit der kurzen Rute umgehen. Dazu setzen wir eine 3000 Shimano Rarenium Rolle mit einer 0,16mm starken Schnur ein. Als Vorfach kam ein 0,14 mm starkes und mindestens 1,20 langes Fluorocarbon (z.B. Antares Fluorocarbon) mit einem 10er Haken zum Einsatz. Das Fluorocarbon-Vorfach wird mit einem Albrightknoten mit der Hauptschnur befestigt (kein Wirbel verwenden!).

Wir setzten nur auf eine Schrotblei-Beschwerung von 0,5-1,0 Gramm, was je nach Wurfdistanz zwischen 5cm und 30cm über dem Haken auf die Schnur geklemmt wird. Angelt ihr nah am Ufer, dann klemmt das Blei nur 3-10 cm über den Haken, bei weiten Wurfdistanzen (ihr könnt mit der Kombi sicher 20 Meter weite Würfe machen!) sollte das Blei schon 20-30cm über dem Haken platziert sein.

ACHTUNG!
Keine drehenden Köder mit dieser Montage einsetzen. Sonst drohen Schnurverdrallungen.

Zusatz-Tipp für Herbst/Frühjahr:
Wenn die Forellen inaktiv am Rand in den Flachwasserzonen stehen, könnt ihr eine Teig/Bienenmadenkombi als Köder knapp über dem Grund anbieten. Stellt mit dem Blei die Höhe des Köders über dem Grund ein. Der schwimmende Forellenteig hebt den Köder dann vom Grund auf. Als Bissanzeiger setzt ihr dann eure feine Rutenspitze ein.

Die "Monster" stehen abseits

Große Forellen stehen immer etwas abseits. Also gilt es diese Plätze gezielt zu suchen. Oft verraten die großen Spiegel unter Wasser, wo sich die Riesen gerade befinden. Denn eines können wir auch mit Sicherheit voraussagen: Diese Tiere wechseln nicht so flott ihr Standplätze, wie die kleinen Flitzer.

Jetzt brauchen wir nur noch unseren Köder. Zwei Bienenmaden, die einfach am Kopf aufgespießt wurden, waren heute unsere Wahlköder. Als Zusatz-Anziehung haben wir sie mit dem Trigger-X Gel eingeschmiert. Die darin enthaltenen Pheromone machen die Forellen beißwütig, was wir jetzt ja genau brauchen. So präpariert warfen wir unsere Köder an verdächtige Stellplätze und ließen die Bienenmaden ganz sachte absinken. Lediglich ab und an zupfen wir ein wenig an der Schnur indem wir die Rutenspitze etwas ausschlagen ließen . Bei dieser Angel-Technik wird die Rute immer in der Hand gehalten. Den Biss könnt ihr nicht übersehen, da mit der feinen Rutenspitze laufend Köderkontakt bestehen muss. Erfolgt eine Attacke, dann knallt die Schnur sofort an der Wasseroberfläche los und Bruchteile von Sekunden krümmt sich dann auch die feine Rutenspitze. Zeit für den Anhieb!

Monster-Fisch am feinen Gerät

Bei uns hat es zwar einen lieben langen Tag gedauert, bis das Monster einstieg (vorher gab es Portions-Fisch), doch dann ging ein wahrer Tanz los. 9 kg geballte Salmonidenpower hielten Andy in Atem. Jetzt zeigte sich die extreme Weiterentwicklung der Rutenblanks. Zwar zeichnen die Ruten heute eine extreme Sensibilität in der Ruheposition aus, unter Extrembelastung präsentieren sie aber ein Rückgrat, was in der Stärke vor 5 Jahren noch undenkbar war. Ähnlich ist es mit den heutigen modernen Schnüren. Das alles sollte durch eine extrem sensibel einstellbare Bremse, die bei den Fluchten von Beginn an ohne Rucken Schnur frei gibt, abgerundet sein. Stimmt das Gesamtpaket, dann erlebt ihr echte Sternstunden am Forellensee, so wie Andy jetzt.

10 Minuten singt die Bremse, platscht der Riese und freut sich der Andy. Dann liegt der Riese vor uns als wollte er sagen „Da habt ihr mich wirklich reingelegt“.

Fazit:

Geht es auf die Forellen-Riesen in kleinen Seeanlagen, dann ist gaaanz wenig in der Montage viel mehr. Passt die Rutenzusammenstellung zum Material, erlebt ihr einen Angelzauber, der unbeschreiblich ist. Wer noch meint, dass Forellenruten ein Wurfgewicht von mindestens 20 Gramm haben muss, wird solche Fische nur sehr selten zu Gesicht bekommen.
Übrigens: Es wurden an diesem Tag 4 Großforellen der 10kg-Kategorie gefangen. Zwei davon gingen auf das Konto Shimano/Andy Weyel und fangplatz.de. Es ist also etwas dran, an unserer feinen Tour...