Fangplätze im Forellensee

In unserem Shimano Forellen-Spezial haben wir bisher nur die unterschiedlichen Seen kennen gelernt und so einiges über das Recht und die Sitten an den Seen behandelt.Jetzt soll es aber auch los an das Gewässer gehen und die erste Frage, die sich uns Angler dann immer stellt ist: „Wo stehen die Fische denn nun?“Genau das möchten wir in diesem Teil etwas genauer beleuchten…

Das Angeln auf Forellen in Forellenseen ist eigentlich sehr dankbar. Denn man kann sich fast immer sicher sein, dass die Salmoniden ständig im Gewässer herumschwimmen und tendenziell hungrig sind. Trotzdem gehorchen die Fische gewissen Regeln und haben zwangsläufig ihre Lieblingsplätze. Allerdings wechseln diese je nach Jahreszeit oder Witterung. Um diese Stellen zu finden, müsst ihr ein wenig über die Forellen und die Seen wissen.
Trotz diesem geballten Wissen geht nichts über eine genaue Beobachtung eures Angelsees. Dann seht ihr schon sehr genau, wie die Fische sich wann verhalten. Dabei hilft euch eine so genannte Polarisationsbrille, mit der ihr tiefer ins Wasser schauen könnt als normal. Weshalb, das könnt ihr in diesem fangplatz-Artikel nachlesen.
Jetzt aber zu der Theorie der Forellenstandplätze:

Die Natur der Zuchtforelle

Zuchtforellen verhalten sich in vielen Punkten ganz anders als die in der Natur aufgewachsenen Artgenossen. Zuchtforellen leben zum Beispiel fast immer in Gesellschaft mit Artgenossen, während wildlebende Tiere eher Einzelgänger sind. Dieses Verhalten nehmen auch eingesetzte Zuchtforellen nach einer Zeit an. Doch zunächst bleiben sie in ihrer Gesellschaft, an die sie sich bei der Aufzucht gewöhnt haben. Daher könnt ihr euch in Forellenseen fast immer sicher sein: Wo eine ist, sind auch andere!“ ;-)
Wie aktiv Forellen sind, hängt von ihrem Stoffwechsel ab. Der wiederum hängt von der Außentemperatur - also der Wassertemperatur - ab. Je wärmer das Wasser ist, desto größer ist deren Appetit. Wird das Wasser jedoch zu warm, dann enthält es für die Sauerstoff liebenden Fische zu wenig Sauerstoff, was dann den Forellen den Appetit verdirbt.
Es gibt aber einen mittleren Wassertemperatur-Bereich, in dem die Forellen einen riesigen Hunger verspüren und zugleich das Wasser genug Sauerstoff enthält, damit die Fische bei der Jagd nicht aus der Puste kommen. Diese Wohlfühltemperatur liegt so etwa bei 12-16 Grad. Genau diese Temperatur-Schichten gilt es jetzt ausfindig zu machen. Dabei hilft es erheblich, wenn ihr wisst, wie sich das Wasser in einem See im Jahr verteilt. Das wollen wir uns jetzt einmal genauer ansehen...

Der Forellensee in den Jahreszeiten

In vielen Forellenseen muss man sich kaum solche Gedanken machen. Denn sie sind wie eine Wanne immer gleich tief, wobei nur selten tiefere Stellen als 3 m vorzufinden sind. Je natürlicher und größer ein See wird, desto wichtiger werden die nun folgenden Tipps, die natürlich auch für das Ergründen des Verhaltens der anderen Fischarten zu Rate gezogen werden können.

Der See im Frühjahr

Auch an den Seen ist das Frühjahr die Zeit, in der die Natur wieder aus dem Winterschlaf erwacht. In dieser Jahreszeit bieten sich die besten Fangchancen in den Forellenteichen. Das Wasser wird langsam warm und die ersten Insekten bevölkern es. Da gehen die vom Winter etwas hungrigen Forellen langsam auf Beutezug. Da die begehrte Beute noch nicht so zahlreich vorhanden ist, sind die Forellen nicht wählerisch. Man kann den ganzen Tag gute Forellen erbeuten.
Diese Jahreszeit ist oft durch einen kräftigen Wind gekennzeichnet. Er sorgt dafür, dass das Seewasser kräftig durchgemischt wird. Dieses unterstützt zudem die physikalische Vollzirkulation in den Gewässern. Eine typische Wasserschichtung ist noch nicht so ausgeprägt und die Wassertemperatur am Grund ist der an der Gewässeroberfläche sehr ähnlich. Außerdem ist das Wasser in allen Tiefen gut mit Sauerstoff angereichert, was die Forellen ja mögen. Trotzdem sollte man die Forellen vorzugsweise im oberen Gewässerbereich suchen. Ein Versuch in Grundnähe kann aber nie schaden.
Richtig heiße Angelstellen sind jetzt bei schönem Frühlingswetter Flachwasserbereiche, die sich schneller erwärmen und Scharkanten. Bevorzugt sollte man die Uferkante wählen, auf der der Wind steht. Dieser drückt das wärmere Oberflächenwasser nämlich an diese Seite und damit auch die Nahrung der Frühjahrsforellen. ;-)
Angelmethoden: Schleppangeln mit Pose und Sbirolino, Spinn- und Fliegenfischen.

Der See im Sommer

Im Sommer kommt ein weiterer Faktor bei der Wahl der Forellenplätze mit in unser Kalkül. Die Temperatur-Schichtung.
Durch die Sonneneinstrahlung erwärmen sich die Seen jetzt an der Oberfläche wesentlich stärker als in den unteren Wasserschichten. Je weiter der Sommer mit schönem Wetter fortschreitet, umso tiefer wird die obere warme Wasserschicht oder Deckschicht (Epilimnion) genannt. Diese Schicht erwärmt sich schnell über 20 Grad Celsius. Ein Merkmal dafür ist, dass die 20 Grad erreicht sind, wenn sich die Menschen überall ihrer Kleidungen entledigen und Freude jauchzend in die Seen springen. Die Deckschicht kann bis zu 5 m tief sein. Ihr schließt sich dann die ca. 13-17 Grad warme Sprungschicht (Metalimnion) an. Ihr seht schon an ihrer Temperatur, dass das jetzt die Schicht ist, in der sich die Forellen bevorzugt aufhalten. Sie muss jetzt gefunden werden. Unter der Sprungschicht schließt sich die Tiefenschicht (Hypolimnon) mit einer Wassertemperatur von weniger als 12 Grad an. Sie ist für das Angeln auf Forellen im Sommer eher uninteressant. Bei der Suche nach den guten Standplätzen muss auch wieder auf den Wind geachtet werden. Die Stellen, in die jetzt die potenzielle Nahrung hin getrieben wird, sind nun spannend. Denn auch Forellen sind faul und machen lieber nur ihr Maul auf um zu fressen, anstelle zu jagen.
Die erfolgversprechendsten Angelzeiten sind jetzt der frühe Morgen oder der späte Abend, wenn es sich abkühlt. Aber auch die Nacht kann sehr interessant werden.
In kleineren Seen kommt es zu dieser Jahreszeit durch die Erwärmung zu einem chronischen Sauerstoffmangel. Die Forellen suchen nun besonders Stellen auf, in denen sauerstoffreiches Wasser dem Gewässer zugeführt wird. Hier ist erfahrungsgemäß zudem auch ein gutes Nahrungsangebot vorhanden. Daher sollte man jetzt auch verschiedene Einflussstellen oder Auslaufstellen mit bei seiner Platzsuche mit ins Kalkül ziehen. An Mönchen in Teichanlagen ist es oft besonders tief, da man den Teich hier gegebenfalls ablassen kann.
Angelmethoden: Schleppangeln mit der Pose und Sbirolino, Spinn- und Fliegenfischen. Sogar das Grundangeln kann in flacheren Seen (bis 6 m) Erfolg bringen.

Der See im Herbst

Die Situation eines größeren Sees im Herbst ähnelt sich ganz stark mit der im Frühjahr. Die im Sommer entstandenen Wasserschichten lösen sich allmählich wieder auf. Die Vollzirkulation mit der Unterstützung des stärker werdenden Windes durchmischt das Seewasser wieder kräftig und das Nahrungsangebot geht zurück. Die Forellen merken langsam, dass die Dürrephase im Jahr bevor steht und sie schlagen sich noch mal richtig den Bauch voll. Gute Standplätze sind jetzt überall dort, wo die Forellen Nahrung aufschnappen können. Das sind wieder Scharkanten, mit kühler werdenden Wassertemperaturen verstärkt Flachwasserzonen sowie Wasser ein oder Abläufe bzw. in der Nähe von Belüftungsanlagen.
Die Fische sind wieder den ganzen Tag unterwegs und am Fressen.
Angelmethoden: Schleppangeln mit Pose und Sbirolino, Spinn- und Fliegenfischen.

Der See im Winter

In den Wintermonaten drehen sich die Verhältnisse im Wasser komplett um. Die Temperaturen sind überall kleiner als 4 Grad. Es ist die Zeit, in der der See zufriert. Jetzt sind die wärmsten Wasserschichten am Grund, da Wasser mit einer Temperatur von 4 Grad am dichtesten und somit am schwersten ist, sinkt es zum Grund. Alles was sich über der 4 Grad warmen Schicht befindet, ist kälter. Nur so kann sich auch an der Oberfläche eine Eisschicht bilden.
Jetzt stehen die Forellen am Grund. Ihr Stoffwechsel ist nahezu zum Erliegen gekommen. Sie nehmen nur noch wenig Nahrung auf. Hierzu werden sie an Tageszeiten aktiv, an denen es am wärmsten ist. Das ist in der Regel um die Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht und wenigstens ein bisschen Wärme spendet.
Heiße Stellen können an wärmeren Wintertagen auch wieder die Wassereinläufe sein. Denn hier könnte das Wasser ein wenig wärmer sein, als das übrige Teichwasser. Gleiches gilt auch für Flachwasserzonen, die mehrere Stunden von der Sonne erwärmt wurden. Zum Anfang des Winters und zum Ende lohnt es sich auch wieder auf der Windseite des Sees seine Köder auszulegen (Grund s. oben).
Angelmethoden: Stationäre Posenangel und Grundmontagen.

Weitere heiße Fangplätze

Nachdem wir uns den Forellensee im Laufe eines Angeljahres genauer betrachtet haben und dabei eigentlich nur die naiven neu eingesetzten Forellen im Fokus hatten, möchte ich euch nun noch ergänzend weitere richtige Fangplätze für die ganz raffinierten Forellen vorstellen, die ihr je nach Jahreszeit und deren Tücke mit ins Kalkül ziehen solltet, um mal einen echten Brummer zu landen. ;)
Für die alten Forellenhasen gilt hier der Grundfrage: „Wo bekomme ich am meisten Schutz vor Anglern oder Räubern (Hecht, Kormoran) und wo bekomme ich am meisten Nahrung?“
Wer sich diese Frage aus der Forellensicht genauso stellt, wird diese Stellen schnell ausfindig machen.
Wo haben die Forellen über den Tag an großen Seen am meisten Ruhe? Richtig! In der Seemitte. Nicht selten werden hier auch die richtig dicken Monster gefangen. Denn sie haben gelernt, dass sie sich mit der Eröffnung des Sees schnell in die Mitte verziehen, um vor dem gemeinen Forellenangler sicher zu sein. Kormorane kommen zu der Zeit eh nicht ans Gewässer, weil die ja bekanntlich Respekt vor uns Zweibeinern haben.
Weitere richtige Fangplätze liegen in direkter Nähe des Ufers. Überhängende Büsche, Schilfkanten oder Seerosenfelder, aber auch Stege sind immer für einen Versuch auf die Großen interessant. Weiter sind Hindernisse, wie versunkene Gegenstände oder Bäume bei Forellen sehr begehrt. Aber auch plötzlich abfallende Kanten oder dicke Steine am Grund bieten sich für einen Versuch an. Bedenkt bei dieser Platzwahl auch die oben schon angesprochene natürliche Nahrungsansammlung durch den Wind. Das Ufer auf der Windseite kann im Frühjahr und Herbst wieder interessanter sein als das vom Wind abgewandte Ufer. ;-)

Phänomen Zuchtbesatz

Angelt ihr in einem See, in dem täglich Fischbesatz eingebracht wird, dann solltet ihr herausbekommen, wie tief die Zuchtteiche sind. Forellen haben nämlich die Eigenschaft, dass sie sich in der ersten Zeit nach dem Umsetzen in derselben Wassertiefe bewegen, wie sie es von den Zuchtteichen gewohnt sind. In solchen Situationen könnt ihr ruhig mal alle Regeln von oben vergessen und es in der gewohnten Forellen-Tiefe probieren.

Zusammenfassung

Ihr seht schon, das goldene „Finde mich Rezept“ für Forellen gibt es nicht. Aber eine Menge Anhaltspunkte, um den Forellen ein Stückchen näher zu kommen. Daher fassen wir euch hier noch mal die wichtigsten Erkenntnisse kurz zusammen:

 

Beste Fangzeit Bevorzugte Standplätze Erfolgreichste Methoden
Frühling Morgens bis Abends Flachwasserbereiche*, Uferzonen*, windzugewandte Ufer, Scharkanten (oft windabgewandte Seite) Schleppangeln, Spinn-/Fliegenfischen
Sommer Morgens und Abends Sprungschicht, Einläufe, Abläufe, Scharkanten (oft windabgewandtes Ufer) Schleppangeln, Spinn-/Fliegenfischen, Grundangeln
Herbst Morgens bis Abends Scharkanten, Flachwasserzonen*, Uferzonen*, Einläufe Schleppangeln
Spinn-/Fliegenfischen
Winter Mittag und Nachmittag Grund, Einläufe*, Flachwasserzonen* Schleppangeln
Stationäres Grund-/ Posenangeln

*) an sonnigen Tagen.